Jahrgang 
1910: 1908/09 / hrsg. vom Reichskolonialamt
Entstehung
Seite
265
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Krankheiten des Ncrvc'nsystcms, der.Atmungs- und Kreislaufsorgane. 265

Gefäßentwicklung, was die operative Entfernung bisweilen sehr schwierig macht. Ovarialzysten, Hydrosalpinx sind als Nebenbefund bei Myoma uteri recht häufig. Allein habe ich eine Ovarialzyste nur einmal gesehen.

Struma ist in einzelnen Gegenden sehr verbreitet und zeigt bis­weilen eine enorme Größe. Drei operierte Fälle waren Struma col- loides diffusa.

2. Krankheiten des Nervensystems.

Die Neuralgien als Folgeerkrankungen der Malaria spielen die Hauptrolle, namentlich im Gebiete des Nervi lumbales, occipitales und orbitales.

Epilepsie und Eklampsie kommen unter den Eingeborenen seltener in Behandlung, sind jedoch nicht selten. Geisteskrankheiten treten unter den Eingeborenen meist in harmloser Form auf.

Bei einem Europäer, welcher besuchsweise nach Togo kam, traten ganz allmählich geistige Störungen auf. Er war nach seiner Angabe schon in der Heimat wegen Neurasthenie behandelt worden. Diese kam hier wieder zum Vorschein. Bald stellte sich jedoch mangel­hafte Auffassung von Art und Zeit ein, etwas später Größen- und Verfolgungsideen. Schon auf der Reise nach Deutschland wurde seine Auffassung eine normale.

3. Krankheiten der Atmnngsorgane.

Unter den Eingeborenen kam Asthma, meist in Verbindung mit Nasenkrankheiten, recht häufig vor. Die Behandlung beschränkte sich fast immer nur auf die Behandlung des Anfalles.

Der Bronchialkatarrh tritt oft in einer großen Anzahl von Fällen auf, ohne daß sich Witterungseinflüsse nachweisen ließen. Auch Europäer erkrankten dann in größerer Anzahl.

4. Krankheiten der Kreislaufsorgane.

a) Herzkrankheiten. Nervöse Störungen der Herztätig­keit waren unter den Europäern und Eingeborenen häufig, Klappen­erkrankungen dagegen sind recht selten.

b) Erkr a n k u n g e n der L y m plulrüsen. Entzündun­gen der Lymphdrüsen sind häufig im Anschluß an Geschlechtskrank­heiten und die häufigen Verletzungen, seltener bei Tuberkulose.

Zwei Fälle von Leistendrüsenentzündungen kamen bei Euro­päern zur Beobachtung, die keine Geschlechtskrankheit gehabt hatten, ln wenigen Tagen hatte sich eine derbe, ziemlich harte, kleinapfel­große Geschwulst gebildet, die nur mäßig schmerzte. Die Umgebung des harten Zentrums war stark ödematös, die Haut blaugrau gefärbt. Dabei bestand kein Fieber. Das Allgemeinbefinden war nicht wesent­lich gestört. In wenigen Tagen zeigte sich an einer kleinen Stelle Fluktuation. Es entleert sich auf Einschnitt dicker, weißgrauer Eiter.