Jahrgang 
1910: 1908/09 / hrsg. vom Reichskolonialamt
Entstehung
Seite
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II. Kamerun.

Volk empfindlich leiden, nicht angewandt werden, Maßnahmen, die sich außerdem doch nicht wegen des Schmuggels der Haussah sicher durchführen lassen.

Zu diesem Zwecke ist es notwendig, die einzelnen, weit verstreu­ten Viehstände aufzusuchen und sich mit den Besitzern ins Einver­nehmen zu setzen, als auch besonders möglichst an Ort und Stelle die bakteriologischen Untersuchungen zu führen.

Vor allem während der Regenzeit ist nach Auffassung der Stationsleitung ein Aufflackern der Seuche im hiesigen Bezirke zu befürchten.

Was nun die Haltung des Viehs an den verschiedenen Orten be­trifft, so ist sie in der Tat so mangelhaft, daß es wohl wahrscheinlich ist, daß während der Regenzeit der Seuche Vorschub geleistet wird. In keinem der genannten Orte, selbst in Bali, sind Stallungen vor­handen; das Vieh treibt sich wild auf den großen Weidefluren umher und ist schutzlos der nassen Kälte preisgegeben.

In Bali hat sich der Häuptling entschlossen, nach dem Vorbilde der Mission, die selbstverständlich einen Stall besitzt, das Vieh in Stallungen unterzubringen, die in Bafatschu errichtet werden sollen.

Die Belehrung der Häuptlinge in dieser Beziehung und in bezug auf Isolierung des kranken Viehs habe ich mir beim Aufsuchen der einzelnen Orte zur ersten Pflicht gemacht. Es ist abzuwarten, inwie­weit die Belehrungen auf fruchtbaren Boden fallen werden.

c. L o m i e :

1. T s e t s e ist im Bezirk endemisch, besonders leiden darunter Pferde, Rinder und aus Deutschland eingeführte Hunde, während die hiesigen Schafe und Ziegen unempfänglich zu sein scheinen. Tsetse­fliegen kommen vor auf dem Njong, stromaufwärts und stromabwärts von Abong-Mbang. Ein Passieren dieser Gegend halte ich wegen Gefahr der Ansteckung für äußerst gefährlich. Das Fangen von Tsetsefliegen kann man sich dadurch sehr erleichtern, daß man in dem Kanu einen schwarzen Regenschirm über sich aufspannt, auf dessen Unterseite sich die Fliegen gern setzen. Sie bleiben ziemlich fest sitzen, so daß man sie leicht mit einem kleinen Netz abnehmen kann.

2. In den Monaten Juli und August herrschte unter der Ziegen­herde der Station eine Seuche, welche etwa die Hälfte der Herde ver­nichtet hat, während die Schafe verschont blieben. Die Krankheit dauerte meist nur wenige Tage und äußerte sich in Mattigkeit, strup­pigem Fell, Hustön und entzündeten Augen, bei längerer Dauer auch stärkerer Abmagerung. Es fehlten jedoch Oedem und auffällige Drüsenschwellung. Auch waren Trypanosomen nicht nachzuweisen. Bei einem Teil der eingegangenen Tiere bestand eine kruppöse Lun­genentzündung in verschiedenen Stadien, im Herzbeutel fand sich meist ein leichter Erguß. Das Herz war schlaff, dünnwandig, die Muskulatur braun.

Bei zwei Ziegen war Tuberkulose vorhanden, bei anderen meh-