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1910: 1908/09 / hrsg. vom Reichskolonialamt
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Allgemeine Hygiene.

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los die Südostecke Kameruns im Stromgebiet des Djah, des Bumbe und Kadei, da dort die Einfallspforte für die im Kongo-Gebiet so schrecklich grassierende Seuche ist. Stabsarzt Dr. Geißler in Lomie erhielt den Auftrag, seinen Rückmarsch behufs Antritt des Heimatsurlaubs statt über Jaunde über Molundu und dem Kongo anzutreten und über den dortigen Stand der Schlafkrankheit zu be­richten.

Die Versorgung mit Fleisch in Duala hat eine erhebliche weitere Verbesserung erfahren, nachdem sich ein Schlächter hier etabliert hat, der fast täglich Rinder schlachtet, Sonntags auch Schweine. Seitdem ist durch Gouvernementserlaß die obligatorische Fleischbe­schau durch den Gouvernementstierarzt eingeführt worden. Außer­dem geben, wie bisher, die deutschen und englischen Dampfer Fleisch ab, letztere zum Teil auch Früchte und Gemüse. An diesen liefert der Bezirksamtsgarten meist auch genügend für die Angehörigen des Gouvernements.

Die Wohnungsverhältnisse sind immer noch nicht befriedigend, da aus Mangel an Mitteln nicht genügend Häuser gebaut werden konnten.

Ein weiterer Mangel ist, daß, da nicht genügend Grund und Boden zur Verfügung stand, die wenigen neuerbauten Häuser zu nahe an die bisher erbauten herangebaut werden mußten.

Zur Orientierung über die Dichtigkeit der Bevölkerung in Ka- merun, über die Verbreitung der Malaria sowie über die Trypanoso- men-Erkrankungen der Tiere dienen die in der Anlage beigefügten, von Ziemann entworfenen Kartenskizzen.

Ferner berichten über allgemeine Hygiene die Regierungsärzte bzw. Stationsärzte von folgenden Orten:

b) Victoria:

1. Unterkunft.Eine genügende Anzahl hygienisch leidlich einwandfreier Wohnungen ist bisher nicht vorhanden. Bei dem hier regen Durchgangsverkehr macht sich der Mangel doppelt fühlbar.

Europäer- und Farbigen-Hospital haben sich als zu klein erwie­sen. Wiederholt war ich genötigt, die im Garten wieder aufgestellte, recht baufällige, alte Döckersclie Baracke mit weißen Kranken zu be­legen. Den Platzmangel im Farbigen-Hospital hat die kürzlich fest­gestellte Dysenterie-Baracke etwas gemildert.

2. Verpflegung. Regelmäßige Schlachtungen können nicht stattfinden, da es Schwierigkeiten macht, genügend Vieh zu be­schaffen. Gelegentlich hilft die W. A. P. V. (Westafrikanische Pflan­zungsgesellschaft Victoria) aus, die Schlachtvieh von Togo kommen läßt. Geflügel am Orte oder in der Umgebung zu kaufen, ist nur selten möglich, und teuer, und die Aufzucht von Federvieh, besonders besserer, heimischer Rassen, wegen der großen Sterblichkeit wenig dankbar. Das von den Dampfern bezogene Fleisch länger zu halten, ist unmöglich, da die Eismaschine des botanischen Gartens der hohen Unkosten wegen nicht in Betrieb gehalten wird. Alles in allem, läßt

Medizinalberichte über die deutschen Schutzgebiete. 1908/09. 15