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1910: 1908/09 / hrsg. vom Reichskolonialamt
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Statistik. Kasuistik: Pocken.

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Anlage 1. Jaliresnachweisung der erkrankten Europäer im Schutz­gebiet.

Anlage 2. Jaliresnachweisung der erkrankten Farbigen im Schutz­gebiet.

Anlage 3. Nachweisung über die im Jahre 1908/09 verstorbenen Europäer.

Anlage 4. Entwurf über die Dichtigkeit der Bevölkerung Ka­meruns.

Anlage 5. Verbreitung der Malaria in Kamerun.

Anlage 6. Verbreitung der Trypanosomen-Erkrankungen der Tiere in Kamerun.

VI. Kasuistik.

1. Pocken.

Während des verflossenen Jahres sind die Pocken an vielen Stel­len Südkameruns aufgetreten. Die meisten Opfer forderten sie in Ostkamerun im Dume-Bezirk, in dem sie seit Jahren an den ver­schiedensten Stellen endemisch sind. Trotz Schutzpockenimpfung ist dort eine Abnahme nicht erfolgt. Verschiedene Pockenherde wurden in unmittelbarer Nähe der Station festgestellt und im Januar kam ein Pockenfall auf der Station selbst vor. Vor allem häuften sie sich in der Landschaft Meusime. Diese ist reich bevölkert, ungemein fruchtbar und wildreich; die Gummiproduktion ist eine enorme.

Zur Bekämpfung der Pocken unternahm der Regierungsarzt von Jaunde drei große Reisen:

1. auf die große Handelsstraße von Jaunde über Joko bis Ngilla (18 Tage lang),

2. ostwärts in den Akonolinga-Bezirk und die beiden Ufer des Mittel-Njong (40 Tage),

3. in den Dume-Bezirk am oberen Njong in die Grenzgebiete von Kongo (französisch), (97 Tage).

Später lösten ihn 2 andere Ärzte ab. Die Pockendörfer liegen nordwestlich von Njongelong: Es waren etwa 5 am Pfad und mehrere im Busch. Es wurde nun nach Kräften von Arm zu Arm geimpft und versucht, die Epidemie möglichst rasch zu bekämpfen. Wieviel Opfer der Seuche erlegen sind, läßt sich nicht schätzen. Es gelang jedoch schließlich, eine Weiter Verbreitung zu verhüten.

Eine allgemeine Schutzpockenimpfung hier im Innern scheitert an den wilden Verhältnissen einer kaum erschlossenen Gegend; die Impfung muß sich auf den Durchgangsverkehr der Stationen be­schränken und auf einige, besonders gefährliche Gebiete. Eine allge­meine Durchimpfung der Bevölkerung ist zur Zeit nicht durchführbar.

Weiter wird aus L o m i e berichtet: ,,In Bemanja erforderten die Pocken im Mai und Juni einige Opfer, eine Verbreitung auf andere Ortschaften hat nicht stattgefunden und Erkrankungen sind am Orte selbst nicht mehr vorgekommen. Von den Erkrankten ist ein Fall bemerkenswert; ein Kind von 3 Jahren, bei welchem sich beim Ab-