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1910: 1908/09 / hrsg. vom Reichskolonialamt
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Allgemeines. Gesundheitsdienst (Seuchenbekämpfung).

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Verkehrs in den Bezirken am Tanganyika vom 15. 10. 08. J. Nr. 12218 I N/S (Amtl. Anz. vom 21. 10. 08. IX, 20);

Verordnung betr. Abwehr der Pest in Daressalam vom 23. 10. 08. J. Nr. 20745/V (Amtl. Anz. IX, 21 vom 24. 10. 08).

Außerdem enthalten sanitäre Vorschriften die Verordnung betr. die Anwerbung von Eingeborenen in Deutsch- Ostafrika (Anwerbeverordnung) vom 27. 2. 09, sowie die

Verordnung betr. die Rechtsverhältnisse eingeborener Arbeiter (Arbeiterverordnung) vom 27. 2. 09 (beide J. Nr. 3065 im Amtl. Anz. X, 6 vom 28. 2. 09).

Endlich wurde die Verordnung des Bezirksamts betr. die Müll­abfuhr im Stadtbezirk Daressalam vom 1. 9. 99 durch das Gouver­nement am 19. 2. 09 erneut zur öffentlichen Kenntnis gebracht (J. Nr. 2900 Amtl. Anz. X, 6 vom 28. 2. 09).

II. Gesundheitsdienst.

Im Vordergrund des Gesundheitsdienstes der Schutzgebiets Ver­waltung steht zur Zeit

die Seuchenbekämpfung.

Sie richtet sich entsprechend der wirtschaftlichen Bedeutung der einzelnen Seuchen und in Rücksicht auf die verfügbaren Mittel gegen die gemeingefährlichen Krankheiten Pocken und Pest und gegen die übertragbaren Krankheiten Malaria, Wurm­krankheit (Ancliylostomiasis), Aussatz (Lepra) und vor allem gegen die jüngste und schlimmste Seuche Ostafrikas, die Schlaf­krankheit (Trypanosomiasis).

1. Pocken.

Während in früheren Jahren im Schutzgebiet Pockenfälle nur ganz vereinzelt aufgetaucht waren und im letzten Jahre nur Dares­salam eine kleine Epidemie erlebt hatte, suchte im Berichtsjahre die Seuche verschiedene Landschaften heim. Anlage 3 gibt eine Über­sicht der bekannt gewordenen Erkrankungen und Todesfälle an Pocken, ausschl. der Zugänge der öffentlichen Krankenanstalten.

Europäer wurden von der Seuche nicht befallen.

Unter den Farbigen wurden folgende Beobachtungen gemacht:

Die Assistenten des Hamburger Tropeninstituts, Dr. Meyer und Dr. Keysselitz, berichten über Inoculation echter Variola im Hinterland von Daressalam:

Die Bewohner der infizierten Gehöfte hatten sich selbst durch Inoculation von Variolasaft geimpft; im ganzen hatten sich etwa 150 Personen dieser Impfung unterzogen. Bei einigen kam es nur zu einer Lokalreaktion in Form einer großen Impfpustel an der Impfstelle (linker Arm), bei zahlreichen aber auch zu einer Generali- sation (sogenannte Variola inoculata), besonders bei Kindern. Was

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