Aanrerrrn-ViLder.
Von Aonrad Lssns, Ingenieur und Pflanzer.
Buschschlag.
/^^chwer liegt der Urwald vor uns. Banmriesen, Hart- und Weichholz durch- einander, verbunden mit beindicken Lianen, verflochten mit dichtem Unterholz, durchweht mit Tausenden von Schlinggewächsen, so steht er in seinem magischen Halbdunkel da. Ein Riese, ein Zyklop. Aber nicht einäugig; mit tausend Augen sieht er verächtlich auf das Häuflein Menschen, das ihn bezwingen will. Seit Jahrhunderten hat er sie geduldet, diese schwarzhäutigen Wesen, die ihm wohl hin und wieder eine kleine Wunde geschlagen haben, aber seiner majestätischen Größe nichts anhaben konnten. Heute aber ist es anders geworden. Ordnung ist in ihre Reihen gekommen und eifrig wetzen sie ihre schweren und breiten Buschmesser. Das Auge des weißen Herrn ist über ihnen, jeder bekommt seinen Platz, jeder seine Arbeit zugeteilt. In langer Reihe geht die Kolonne vor. Ein Kommando des Weißen, ein Ruf der Headleute, ein Aufblitzen der Messer in funkelnder Morgensonne und schon entstehen kleine Lücken im niedrigen Untergestrüpp. Strauch um Strauch, Ast um Ast sinken zu Boden, Lianen werden durchschlagen und der in der linken Hand gehaltene kräftige Hakenstock reißt sie beiseite, Platz zu schassen für das klingende Eisen und die tastenden nackten Füße. Hinter der Reihe gebeugter schwarzer Rücken der Weiße und die Headleute, kontrollierend, rufend, anfeuernd. Dicht über dem Boden ist das Gestrüpp abzuschlagen, nicht nach Negerart in halber Manneshöhe, die armdicken Stämmchen gleich mit zu fällen, damit die noch kommende Hauptarbeit nicht erschwert wird. So geht es stundenlang. Der Schweiß rinnt, der dumpfe Brodem des Urwaldes legt sich schwer aufs Gehirn, die Bewegungen der Arme werden lässiger, da ein Ruf: 1)665! 1)665! ein Stück Wild! Beef, Fleisch, ist für den Schwarzen alles eßbare Getier. Mit Tigersprüngen schnellen sie voran, grausam leuchten die Augen, ein Dutzend Haumesser klirren auf einem Punkt. Wildes Geschrei, Gezanke, Gejohle, drohende Fauste, rollende Augen, fletschende Zähne. Die Headleute, der Weiße eilen hinzu, grobe Worte, derbe Püffe, schallende Kommandorufe. Die Beute, eine Zibetkatze, wird konfisziert. Hier gibt es kein Recht des Ersten, wie bei euch daheim in euren Dörfern, hier wird alles erlegte Wild gesammelt und am Abend gleichmäßig verteilt. Die Starken murren, die Schwächeren nicken zustimmend, ein Blick des Weißen bändigt sie alle. Vorwärts an die Arbeit! Ein kluger Herr kennt seine Schwarzen. Jetzt haben sie 1)665 gesehen, mehr wird kommen. Diese Aussicht belebt sie. Sie fangen an zu singen. Im Rhythmus arbeiten die Messer, das Versprechen auf ein Blatt Tabak feuert sie noch mehr an, die Tagesleistung wird befriedigend ausfallen.
Die Kleinarbeit ist getan, Platz ist geschaffen, jetzt geht es den Riesen ans Leben. In langer Reihe sind die Leute angetreten. Mit kundigem Auge werden sie ausgemustert. Die Starken auf die eine Seite, die Schwächeren auf die andere. Äxte werden verteilt und sorgsam geprüft. Wo das Eisen nicht festsitzt am Stiel, wird ein Keil nachgetrieben. Knirschend fährt die Feile an der Schneide entlang, schwarze Finger prüfen ihre Schärfe. Fertig! Die Äxte fliegen auf die Schultern, im Halbtrab geht es zur Arbeitsstelle. Der Weiße und die Aufseher schreiten zwischen