so
Erinnerungen eines LeesoldaLen an CsingLan.
Von Linil Löhnig.
Eine Leldmarschübung in das Lauschangebirge.
frühe Morgen eines Tages im Juli 19 . . fand meine in Tsingtau liegende Kompagnie des 3. Seebataillons auf dem Hofe der Bismarckkaserne zu einer Feldmarfchübung in das Lauschangebirge angetreten. Es war erst gegen 3 Uhr und noch finster, als sich die Kompagnie zu dieser Übung auf der Ostpaßstraße in Marsch setzte. Durch den schönen Forstgarten mit der angrenzenden Rennbahn und dem Badestrand führt der Weg. Zur Linken kommen wir an den Iltis- kasernen vorüber, in welchen die Matrosenartillerie-Abteilung Kiautschou liegt. Der Weg führt jetzt an der See, dem Gelben Meere, entlang und ist dessen dumpfe Brandung zur Rechten hörbar. Bald haben wir auch die Chinesendörfer Tschan- Tschan und Fuschanso hinter uns. Verschlafene Chinesengesichter schauen bei unserm Durchmarsch aus den Häusern, verwundert über die gestörte Morgenruhe. Als wir auf die Höhe der Insel Maitau kommen, geht die Sonne auf. Welch herrlicher Anblick. Der aus dem Meere aufsteigende Sonnenball spiegelt sich in einem herrlichen Widerschein in den Wellen. Zur Linken ragen die imposanten Umrisse der Priuz-Heinrich-Berge in den blauen Himmel, der uns gutes Wetter versprach. Eine fröhliche Stimmung kommt jetzt in die Kompagnie. Marschlieder ertönen in den frischen Morgen hinein. Der Weg führt jetzt an dem flachen sandigen Strande hin. Zur Linken erhebt sich nun der Kaiserstuhl, ein terrassenförmiger Berg.
Gegen 11 Uhr vormittags liegt die Schatzekoubucht vor uns. Eine Anzahl chinesischer Dschunken schaukeln auf den Wellen dieser. Nachdem wir das an der Bucht liegende chinesische Dorf Schatzekou passiert haben, gelangen wir bei dem hier liegenden deutschen Seesoldaten-Detachement an. Hier kocht die Kompagnie ab und setzt sich dann in das nahe vor uns liegende Lauschangebirge in Marsch. Nach der Durchquerung der die Schatzekoubucht umgebenden kleinen, sandigen Ebene wird der Weg sehr steil. Schmale Pässe ziehen die Kompagnie auseinander. Herrlich sind hier die Gebirgsszenerien. Kleine Bäche stürzen sich, durch Steinblöcke schlangelnd. Plätschernd in die Tiefe. In kleinen Tälern, hinter Obstbäumen halb versteckt, bieten kleine Chinesenhäuser ein malerisches Bild. Die Fauna ist hier oben nicht stark vertreten. Etwas besser dagegen die Flora. Reizende tulpenartige bnnte Blumen entzücken das Auge. Leider sind sie meist geruchlos.
Immer steiler und anstrengender wird der Marsch. Endlich kommt unser heutiges Ziel, das Mecklenburghaus, in Sicht. Neben diesem, dem Erholungsheim für Tsingtauer Genesende, schlagen wir Zelte auf und beziehen Biwak. Gegen Abend geht ein Platzregen, die hier sehr plötzlich kommen, nieder. Müde begibt sich bald alles in die Zelte zur Ruhe. Das einförmige Rauschen des niederfallenden Regens in den grünen Stengeln des neben den Zelten wachsenden Bambushaines gaukelt uns ein Schlummerlied vor.
Der nächste Tag, ein Sonntag und zugleich Ruhetag, bricht mit schönem Sommerwetter an. Nachdem wir vormittags unsere Ausrüstung und Waffen in Ordnung gebracht haben, bleibt uns der herrliche Sonntagnachmittag für Spaziergänge ins Gebirge frei. Ich habe mir den Paß nach dem Meere zu als Ziel gewählt. Nur mit Bambusstock und Feldflasche bewaffnet und im leichten Khakianzug mit Tropenhelm, marschiere ich über Hügel und durch reizende kleine Täler, bis ich nach reichlich zwei Stunden auf den steilen, vom Meere begrenzten Abhängen des Gebirges angekommen bin. Welch überwältigender Rundblick! Vor mir das schäumende und brausende Meer. In steiler Tiefe vor mir wirft es den weißen, brodelnden Gischt der Brandung an die gigantischen Felsen. In der Ferne erblicke ich den Rauch eines vorüberfahrenden Dampfers. Hinter mir ragen, mit leichtem Nebel umgeben, die Vergkegel des Gebirges empor. Zur Rechten, weit über Hügel