Volume 
1916
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51
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Stilen aus LVestafrika.

Von L^. Auster.

I.

Mein erster Lag iin Dienst.

einem sogenannten Pulverdampfer der Woermann-Linie die Ladung / s bestand in der Hauptsache aus Schießpulver in Fässern war ich nun vier ^ Wochen unterwegs gewesen. Die Reise war hochinteressant und belehrend durch das an der afrikanischen Küste fast täglich wechselnde Bild der verschie­denen Hafenplütze. Fast überall kamen und gingen farbige Deckpassagiere und man lernte so die mannigfachsten Typen der Bevölkerung dieser Seite des schwarzen Erd­teils kennen. Das'untere Deck war ihnen überlassen und sie richteten sich hier mit dem freimütigen Anstand der Naturkinder häuslich ein. Ihre Sitten und Ge­bräuche zu beobachten, ihrem Singen und Plappern zu lauschen, wurde man zuerst nicht müde. Die Gelegenheit, schon jetzt das klü^in-Englisch, die Verkehrssprache zwischen Weißen und Schwarzen, zu erlernen, ließ ich mir nicht entgehen, und ich hatte an dem Ersten Offizier unseres Dampfers, dem die Regelung der oft schwierigen Zahlungsverhältnisse, Verpflegung usw. oblag, einen vortrefflichen Lehrmeister. Wo sich Zeit und Gelegenheit bot, war ich ans Land gegangen und mir wird die Brandung von Lome in Togo unvergeßlich sein. Damals war die Landungsbrücke noch nicht vorhanden und man wurde inBranduugsbooten" ans Ufer gerudert. Einem glücklichen Stern, der Tüchtigkeit unserer Bootsleute und einem bei An­tritt der Reise versprochenen fürstlichen Trinkgeld hatten wir es zn danken, daß wir in der Brandung nicht kenterten, sondern heil und gesund, wenn auch von Nässe triefend, wieder an Bord gelangten. Der letzte meiner Reisegenossen hatte sein Ziel erreicht, und nun, richtig reisemüde und des Schlaraffenlebens auf dem Schiffe über­drüssig, sehnte ich mich nach geregelter Arbeit.

Wir hatten mit anbrechender Dunkelheit den letzten Hafenplatz verlassen, und morgens, die Sonne tauchte eben ans ihrem feuchten Meeresbette auf, erreichten wir die Reede, wo auch mir die Trennungsstunde schlagen sollte. Allerlei Gedanken kamen mir. Wie werde ich mich in die so neuen, fremden Verhältnisse finden? Werde ich lebend, werde ich gesund die Heimat wiedersehen?

Von den Schattenseiten, dem Klima und den sonstigen Schrecknissen der vor mir im Sonnenschein liegenden Küste, hatte ich bereits genug gehört. Vom Dampfer, der vor der Brandung schwer stampfte, konnte man mit dem Fernrohr das Land erkennen. Von dem Grün des gleich hinter dem Strand beginnenden Urwaldes hoben sich die wenigen weißen Häuser leuchtend ab. Nun war der Ankerplatz aus­gelotet und zum letzten Male hörte ich das KommandoScheet de Kanon äff!" Mit dem Knall des Schusses rasselte der Anker in die Tiefe. Die Winden klapperten und die Boote wurden ins Wasser geschwungen, um sofort beladen zu werden. Ein für unsere Firma bestimmter großer eiserner Leichter wurde der Einfachheit halber von oben ins Meer gelassen. Vom Strande näherten sich bereits einige Boote. Da sich zu meiner Abholung niemand einfand, hieß es Abschied nehmen. Mit Scherzworten von dem Kapitän und den Offizieren, mit metallenem Häudedruck von