Volume 
1916
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Ostafrikanische Stiininungsbilder.

Bon Leutnant Schulte, ff bei Tanga 4. Nov. 1014.

I. Sonntagsleben.

^cn Sonntag pflegt man mit Jagd oder Nichtstun zu verbringen, oder man macht einen Besuch auf der Nachbarpflanzung. Wir werden morgen wohl am Sigi sein, einem bedeutenden Fluß, hinter dem die wildreiche Umbasteppe beginnt. Wir gehen dazu noch heute abend, nach der Lohnauszahlung an die Ar­beiter, mit Zelten, Safarilampcn und Trägern bis zum Sigi, etwa drei Stunden durch den Urwald. Man muß bei dem Marsche die Büchsen gespannt halten, weil es viel Leoparden gibt. Bor Sonnenaufgang überschreiten wir mit zwei bis drei Leuten das übrige bleibt am Sigi zurück den Fluß, so daß wir bei Sonnen­aufgang in der Steppe sind. Allerdings erschwert das Gras, das nach der Regenzeit weit über mannshoch ist, jetzt sehr das Jagen; trotzdem hoffe ich, minde­stens einen Wasserbock, eine große Antilopenart, zu erlegen, wenn er zum Wasser wechselt. Mittags kann man bequem wieder zu Hause sein, und das selbstgcschossene Wild schmeckt dann prächtig.

Man lebt hier überhaupt sehr gut, was das Essen betrifft; Fleisch ist sehr billig, auch das von Haustieren. Unser schwarzer Koch, Mpishi, kocht ausgezeichnet, aber alles mit englischen und indischen Gewürzen, die hier sehr billig sind, da sie von

^ .den Indern mit den Bombay-

^------ dampfern mitgebracht werden.

^ Es gibt besonders viel Reis­

gerichte, Perl- oder Rebhühner mit Reis, Ei, Curry und Chut- ney, das ist eingemachte Embe, die Frucht des Mangobaums, - oder jetzt, in der Maiszeit, Maiskolben in Salzwasser ge­kocht, mit Butter und Mixed- Picklcs, auch mit Wildfleisch gefüllte Zwiebeln und viel Obst nach dem Essen: Apfelsinen, von denen drei Stück einen Heller kosten und die hier mit Messer und Gabel geschält und ge­gessen werden, Ananas, Bananen, Papaien, die an kleinen Bäumen wachsen und wie Melonen schmecken, Emben, die etwas Terpentingeschmack haben, aber herrlich munden, wenn man sich daran gewöhnt hat, Mustaphcren, die zu Mus gekocht werden und er­kaltet wie Erdbeeren mit Schlagsahne schmecken, Mandarinen, Granatäpfel, Kapstachel- bceren und noch sehr viel anderes Obst. Nach dem Essen folgt dann wieder der üb­liche Kaffee und die Zigarre in den Bombaystühlcn auf der Barasa (Veranda). Es wimmelt dann um die Lampen von Faltern, Heuschrecken, Gottesanbeterinnen, Kü­fern, Mücken und zahllosem Kleingetier. Die Nachteidechsen, ganz hellfarbig, fast durchsichtig und mit großen, schwarzen Augen, klettern an den Wänden und der Decke entlang und haschen, was sie kriegen können, die Fledermäuse fliegen in der Messe herum und fangen Mücken, und unsere Hauskatze mit ihren zwei Jungen hascht die Fledermäuse und Heuschrecken. Wenn aber die Sonne tiefer sinkt, dreht man den Bombaystuhl halblinks, damit einem der prächtige Sonnenuntergang hinter der Silhouette der Usambarabcrge nicht entgeht. Die Sonne geht das ganze Jahr gegen 6 Uhr morgens auf und um 6 Uhr abends unter. Immer anders, aber immer schön. Es gibt fast gar keine Dämmerung; eben hast du noch gelesen und jetzt ist Nacht. Dann fangen die Grillen und Zikaden an zu zirpen, nein, zu schreien. In der Ferne singen Frösche, große Tiere, deren Kaulquappen wie kleine Fische sind. In den Dörfern wird die Ngoma, eine Art Trommel, geschlagen, und die Schwarzen tanzen. Man liest dann noch ein wenig, geht aber, da früh um fünf die Arbeit beginnt, bald unter das Moskitonetz zur Ruhe.