Jahrgang 
1920: 1920
Entstehung
Seite
610
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K Rund um uns K

Lebensgenuß. In Heft 7 des vorigen Jahrgangs brachten wir aus der Leder des bekannten dänischen Er- nährungsph^siologen Dr M. Hindhede einen längeren Aufsatz, in dem ein vergleich gezogen wird zwischen der deutschen Nahrungsmittel-Rationierung während des Krieges und der dänischen. Die Überlegenheit der in der Haupt­sache nach Hindhedes Grundsätzen durch­geführten dänischen Rationierung ist, wie sich die Leser jenes Aufsatzes er­innern werden, nicht von der Hand zu weisen. Die Ereignisse haben es zudem bewiesen: Das deutsche Volk mußte

jahrelang hungern, Dänemark, das in gleicher Härte von der Blockade be­troffen wurde und das nicht nur tat­sächlich, sondern auch verhältnismäßig über geringere Nahrungsmengen ver­fügte, als Deutschland, konnte seine Einwohner ausreichend ernähren.

Neuerdings hat Dr Hindhede eine ausführliche Schrift einen Bericht an das dänische Ministerium des Innern veröffentlicht, in der die Wirkung der Rationierung auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung in streng wissenschaftlicher weise dargestellt wird.*) wir behalten es uns vor, auf die ungemein interessante und für uns Deutsche wir müssen sagen: be­trübend lehrreiche Arbeit zurückzu­kommen. Heute wollen wir nur die Schlußworte der Schrift mitteilen; sie zeigen uns deutlich, daß auch jenseits der deutschen Grenzen Männer leben, die nach Vortrupp-Art denken und zu schaffen verstehen:

Ich habe so oft die Redensart ge­hört: .Lieber ein kurzes Leben im Genuß als ein langes Leben in Askese/

*) M. Hindhede, Beretning til Indenrigsministeriet om Rationeringens Indvirkning paa Sundhedstilstanden. Kopenhagen (Jacob Lund) 4920.

Dieser übliche Gedankengang beruht meiner Meinung nach auf einem großen Mißverständnis. Man begreift nämlich nicht, daß es keinen größeren Genuß auf der Welt gibt, als dafür Sorge zu tragen, daß man von so vollkommener körperlicher und geistiger Gesundheit sei, daß man tatsächlich kein Bedürfnis nach künstlichen Genußmitteln empfin­det! In den modernen Kulturzentren den großen Städten findet man diesen Genuß nun bald nur noch bei Kindern und ganz jungen Menschen. Die mo­derne Lebensweise mit allen ihren Ner­vengiften zerstört das feine Zusammen- spiel zwischen Nerven und Muskeln, wel­ches einzig und allein das Wohlbefinden, die Grundlage echten Glücksgefühls, ge­währleistet. wer infolge unhygienischer Lebensweise in den 50 er Jahren stirbt, endet nicht nur 3040 Jahre zu früh, sondern er wird auch kaum in den letzten zehn Jahren seines Lebens im­stande gewesen sein, das vollkommene Wohlbefinden zu verspüren, das den Lebensgenuß bedingt. Aber dieses Wohlbefinden will man nicht entbehren. Kann man es nicht auf natürliche weise erlangen, so sucht man nach künstlichen Genußmitteln, die wohl augenblickliche Freude verleihen, aber auf Kosten der Zukunft.

Ein anderes Hindernis der Ein­führung einer wirklich gesundheits- gemäßen Kost ist der Geschmack. Aber glücklicherweise ist der Geschmack Ge­wohnheitssache. wer von Kind auf an Grütze gewöhnt ist, dem schmeckt Grütze immer gut usw. Außerdem kann die Bauernkost ohne Schaden für die Ge­sundheit dadurch wohlschmeckender ge­macht werden, daß man reichlich Ge­müse und Dbst hi'nzunimmt. Leider sind diese Nahrungsmittel zurzeit so teuer, daß man gezwungen ist, sie selbst zu bauen, wenn man sie in größerem Maße verwenden will. Aber wenn