Der Vortrupp
9. Jahrgang ^20
Nr. 23
Dezemberheft
„Vortrupp"^
Hamburg, den 15. November 1920.
Die Abendsonne eines Septembertages sandte ihre schrägen Strahlen auf den „Hofgarten" in München, wo ich mit einem unserer besten Freunde, Herrn Dr. Lentrodt (dem weitberühmten Meister der Zahnheilkunde) auf und ab ging. „Es muß einmal", so schloß er unser Gespräch, „ganz klar dargelegt werden, wie sich die Aufgaben des ,Vortrupps dadurch gewandelt haben, daß wir den Arieg und das, was auf ihn gefolgt ist, erlebt haben." Das war mir aus der Seele gesprochen: Da es unzweifelhaft eine unserer Aufgaben stets gewesen und stets geblieben ist, auszusprechen, was ist, und alle bloßen Redensarten und unklaren Vorstellungen zu beseitigen, so sei das einmal bei uns selbst angewendet; es sei einmal untersucht, unter welchen Voraussetzungen eine Zeitschrift unserer Art heute noch das Recht hat, sich „Vortrupp" zu nennen.
Der „Vortrupp" ist gegründet worden als ein Organ mit ausgesprochen politischen Zwecken, wobei, wie unser Leitaufsatz „Freideutsche Zukunft" das festgestellt hat, der Begriff „politisch" stets dahin Verstanden worden ist, daß ein politischer Gedanke jeder Gedanke sei, der zeige, daß er stark genug sei, das öffentliche Leben zu beeinflussen. Diesem ausgesprochen politischen Eharakter des „Vortrupp" entsprechend, ist gleich seine erste Nummer (vom 1. Januar 1912) mit meinem scharf politischen Programmaufsatze „Realpolitik" eingeleitet worden. Und diesem Einleitungsaufsatze habe ich gleich im ersten Erscheinungsjahre, und weiter zeitlich daran anschließend, eine Reihe anderer großer programmatischer Aufsätze folgen lassen, die alle scharf politisch waren. Sie alle sind ausnahmlos auf den Zweckgedanken abgestellt gewesen, wie man für die Ziele des „Vortrupp" die „Gesetzgebung erobern" könne*). Alle nebelhaften Bestrebungen
*) Es handelt sich im wesentlichen um meine folgenden Aufsätze:
„Realpolitik", Jg. 1912, Nr. 1.
„Wahl", Jg 1912, Nr. 2.
„Der Fall Schifkerer", Jg. 1912, Nr. q.
„Bischof und Konsistorium", Jg. 1912, Nr. 10.
„Die 's am schwersten drückt", Jg. 1912, Nr. 1H.
„Der ,Vortrupps und die Frauenbewegung", Jg. 1912, Nr. 18 .
„Ein ,Deutscher Volksrat'", Jg. 1912, Nr. 22.
„Freideutsche Zukunft", Jg. 1912, Nr. 19.
„wie schaffen wir etwas, was oben bleibt?", Jg. 1911, Nr. 12.
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