Der Vortrupp
9. Jahrgang 1^0
Nr. 2^
1. Novemberheft
Arbeitsdienstpslichtzum Wiederaufbau des deutschen Wirtschaftslebens.
wir haben zurzeit etwa eine halbe Million Arbeitsloser in Deutschland. Es erscheint widersinnig und überflüssig, die Arbeitsuchenden immer wieder auf die Notwendigkeit zur Arbeitsleistung hinzuweisen, widersinnig deshalb, weil leider Betriebseinschränkungen und Betriebsstillegungen immer noch an der Tagesordnung sind, kurz, weil es an Arbeitsstätten zu fehlen scheint; überflüssig, weil die überwiegende Mehrzahl Arbeitsuchender von dem ehrlichen Willen beseelt ist, zu arbeiten, wenn sie nur könnte! Die Leute wollen arbeiten. Man sollte deshalb nicht immer die sittliche Pflicht zur Arbeit betonen, sondern das natürliche und durchaus verständliche Recht auf Arbeit gewähren und jenem Verlangen zur Arbeitsleistung Rechnung tragen. Deshalb ist es vornehmste Aufgabe des Staates, bei Einführung einer allgemeinen Arbeitsdienstpflicht Arbeitsstätten bereitzustellen.
was daneben aber not tut, ist eine entschlossene „Answanderergesin- nung", wie sie die beseelte, die sich in Urwäldern jenseits des Wassers eine neue Heimat bauen wollten. Eine Gesinnung, die bereit ist, durch Jahre schwerer Arbeit, ungewohnter Lebenslage und Entbehrung durch- zuhalten, mit dem Ziel vor Augen, wo „zu neuen Usern lockt ein neuer Tag". Auswandern gilt es, aber nicht aus dem Lande, sondern aus Gewohnheiten und Vorurteilen, wenn nötig wenigstens vorläufig auch aus Stand und Beruf. Auch in Deutschland kann man ein neues Leben ausbauen, aber es gehört dazu mehr eigener Wille, da der Zwang dazu geringer ist, als über See. Den weg haben Hauptmann Schmude und manche vor und nach ihm gezeigt. An dieser Stelle wollen wir die „Freikorps der Arbeit" des Hauptmanns Aumann, Leiter der Fürsorgestelle der Reichswehr- Brigade ^5, schildern.
Zunächst jedoch noch einige Worte zur Arbeitsdienstpslicht! An: wichtigsten ist hierbei die Arbeitsstättensrage. wo wollen die Erwerbslosen arbeiten? Man wird es den politisch Linksstehenden unter ihnen nachfühlen können, wenn mit ihren Gedankengängen nicht gut die Zumutung vereinbar ist, für den privatbesitz aus Grund eines Arbeitszwanges körperliche Arbeit leisten zu sollen. Sie werden vermutlich nur dann mit Freude bei der Sache sein, wenn sie für das Ganze, den Staat, arbeiten. Damit ist keineswegs die Notwendigkeit gegeben, die Betriebe, in denen Arbeits- dienstpslichtige angesetzt werden sollen, zu sozialisieren. Es gibt genug