Jahrgang 
1920: 1920
Entstehung
Seite
469
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Der Vortrupp

y. Jahrgang MO Nr. O I. Gktoberheft

Studententum und Sport.

Als die akademische Jugend von I^8^z aus den Kämpfen für Deutsch­lands Befreiung von feindlichem Joche zurückkehrte, da wußte sie, daß ihr ein neuer Zweck des Lebens, ein neues Lebensideal entstanden war. Ihr neugewonnenes sittlich-religiöses Hochziel im gesamten akademischen wie im bürgerlichen Leben zu verwirklichen, der Zerklüftung in allerlei Parteiungen entgegen zu wirken, ein einiges Deutschland zu schassen, darin erblickte diese neue Jugend die Hauptaufgaben für die Zukunft. Inmitten eines in Liederlichkeit verkommenen, allen Lastern der Trunk­sucht verfallenen Verbindungslebens der damaligen Landsmannschaften nahm sie den Kamps für ein neues adeliges und freies Lebensideal aus, sie erstrebteein Burschenleben als den reinen und vollen Ausdruck des Krastgesühls und des Freiseins". Wie sie sich aufbäumte gegen staatlichen Zwang und Bevormundung, so war sie auch über ödes Geist und Körper ertötendes Kneipenleben hinausgewachsen. Wir, die wir unendlich Größeres, Nervenerschütternderes erlebt, denen ein grausames Schicksal die Heimkehr aus ehrenvollem Kampfe so furchtbar und so schmerzlich gestaltete, sind wir innerlich weiter als die hochgemuten, von edelster Leidenschaft durch­glühten Jünglinge vor hundert Jahren?

Überall sehen wir Haß und Leidenschaft die Stimme der Vernunft ertöten, wir sehen uns in den Anschauungen von Kultur und Sitte um Jahrhunderte zurückgeworfen, und von der gewaltigen Massenpsychose, die der herbe Schmerz über Deutschlands Fall gebar, mitgerissen, hat die deutsche Studentenschaft ihre hohe Tradition vergessen. Ein wahrhaft großes Geschlecht hätte auch aus der Niederlage den Sieg gewonnen. Ein leuchtender Georgsritter, alles Schlechte und Gemeine niederringend, wo er es findet, aber auch ritterlich dem Schwachen und Unterdrückten ein eherner Schild des Rechtes, ein blitzendes Schwert der Gerechtigkeit gegen die Mächte der Finsternis. Aber die akademische Jugend war nicht mehr fähig, aus der gewaltigen Erschütterung der Kriegs- und Revolu­tionszeiten einen neuen großen Gedanken zu schassen. Hat diese Jugend, die so oft dem Tode ins Auge sah, noch nötig den Beweis zu erbringen, daß sie Tod und Verderben nicht fürchtet? Und doch zwingt sie den in tausend Schlachten erprobten Jüngling, nochmals die Probe seines Mutes zu bestehen. Es war durchaus nicht immer der narbenbedeckte Student, der vorbildlich an nie versagendem Mute Beispiel und Vorbild ward. So mancher Akademiker, dem Religion oder sonstige ethische Gründe den