Der Vortrupp
9. Jahrgang ^20
Nr.
^»eptemberhest
Vernichtung oder Versöhnung.
Als im zweiten Samniterkriege das römische Heer rettungslos im kanonischen Engpaß eingeschlossen war, erhielt der siegreiche Samniter- häuxtling von seinem klugen Vater zwei Ratschläge; den besseren: durch Freilassung des gesungenen Heeres den Grund zur dauernden Versöhnung und Freundschaft mit Rom zu legen; den weniger guten: durch Vernichtung des Heeres den Gegner so zu schwächen, daß er auf ein Menschenalter ungefährlich würde. Der Sohn konnte sich zu keinem dieser beiden radikalen Schritte entschließen und wählte einen Mittelweg, der ins Verderben führte: Er nötigte die gefangenen Konsuln zu einem für die Sammler günstigen Frieden und ließ dann das Heer unter dem Joche abziehen. Aber der Senat erkannte den Friedensschluß nicht an, schickte die Konsuln zurück, setzte den Krieg fort und zwang schließlich den Gegner zur Unterwerfung.
Die Römer haben von Anfang an klar erkannt, daz es nur zwei Wege dauernden Friedens gibt. Sie haben jeden Krieg so lange und so rücksichtslos geführt, bis der Feind vernichtet oder unterworfen war. Klassischer Ausdruck dieser Erkenntnis ist der alte Lato, der nach dem unentschiedenen Ausgang des zweiten punischen Krieges jahrelang den Senat mit seinem Oeternrn osnsso quälte und als Schluß aller Staatsweisheit immer wiederholte, daß Karthago zerstört werden müßte. Der dritte xunische Krieg, der mit der völligen Zerstörung des Nebenbuhlers endete, verwirklichte seinen willen und gab Rom die dauernde Herrschaft im Mittelmeere.
So brutal die Methode Roms war, so hatte sie doch den Vorzug, richtig und erfolgreich zu sein. Mit ihr gelang es, ein Weltreich zu schaffen und den damals bekannten Erdkreis in Ordnung zu halten, also eine Kulturleistung zu vollbringen. Als das Reich zerfiel, war die nächste Folge ein Lhaos von kleinen Mächten, die sich unaufhörlich befehdeten und bis auf den heutigen Tag nichts dem römischen Weltreich Entsprechendes zu schaffen vermochten. Ein Grund dazu ist sicher neben dem Fehlen einer überragenden Macht auch das Fehlen eines überragenden Willens, der mit der gleichen Klarheit wie der römische Senat erkennt, wie dauernder Friede zu erreichen ist, und der mit der gleichen Rücksichtslosigkeit das Ziel verfolgt.
Bismarck hatte diese Erkenntnis und kämpfte nach den siegreichen Feldzügen mit den Eroberungsgelüsten seines Fürsten wie mit den strate-