Der Vortrupp
y. Jahrgang U20 Nr. ^2 2. Juniheft
^ans paasches Tod.
Hamburg, den ,s. Juni 1 Y 20 .
Die äußeren Vorgänge sind noch nicht völlig aufgeklärt.
Zweifellos liegt mindestens ein besonders unglückliches Zusammentreffen von Umständen vor, vielleicht auch sind Fehlgriffe anordnender oder ausführender militärischer Organe begangen worden*). Aber daß ein tragischer Ausgang dieser oder ähnlicher Art einmal den Abschluß des Lebens meines alten Freundes Hans Paasche, bis September Mitherausgebers des „Vortrupp", bilden würde, habe ich lange gefürchtet. Heute darf gesagt werden, was bislang nur wenige wußten, und was ich auch noch nicht glaubte sagen zu dürfen, als ich hier im Mai ^9^9 Hans Paasches letzte größere Schrift besprach: Von einer seiner prachtvollen Afrikareisen hatte Hans Paasche schon vor langer Zeit ein schleichendes, unheilbares Leiden mitgebracht, das in den letzten Jahren namentlich seinen sonst immer jungen, mutigen Geist mehr und mehr umdunkelte. Ich hatte die furchtbare Veränderung an ihm zuerst im Vorfrühling l9l6 bemerkt, kurz nach seinem plötzlichen Abschiede aus der Flotte, der seinen Grund schon in diesen Dingen hatte. Ls folgte sein bekannter politischer Prozeß, der Ende ^9^6 begann; auf Grund des übereinstimmenden Gutachtens von vier Ärzten setzte ihn das Reichsgericht schon zwei Tage nach Abschluß der Voruntersuchung, wegen mangelnder Verantwortlichkeit infolge seines geistigen Zustandes, außer Verfolgung. Zum Schmerze aller seiner Freunde schritt die schwere Geisteskrankheit selbst fort; nur wer die Tatsache dieses Leidens kannte, verstand sein auch äußerlich seltsames ruheloses Verhalten während der Revolutionstage im November f 9 f 8 , sein — bei einem
*) Für schlimmste Mache halte ich dagegen die jetzt mit Vorliebe herumgetragene Behauptung, Hans paasche sei ermordet worden, was das für ein Unsinn ist, kann man vielleicht am besten daraus ersehen, daß Herr vr. Alfred H. Fried mit demselben Mangel an Verantwortungsgefühl, mit dem er die Legenden von der deutschen „Schuld am Rriege" in die Welt hinausposaunt hat, jetzt ausgerechnet mich als den Anstifter von paasches Erschießung verschreit f wobei er einmal auch in trautem verein mit dem unglückseligen Helmut v. Gerlach handelt; vgl. dessen „Welt am Montag" vom 3l. Mai l 920 ). Herr Fried arbeitet dabei mit einigen Sätzen, die ihm Hans paasche in seinem Verfolgungswahn über eine „Drohung" von mir gegen ihn geschrieben hat. — Jeder anständige Mensch hätte die Gewissenhaftigkeit besessen, bei mir um Aufklärung anzufragen, ehe er eine so unglaubliche, und in sich selbst so unglaubhafte Beschuldigung in die Welt schrie; Fried hat das nicht getan. H. P.
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