Der Vortrupp
9. Jahrgang U 20 Nr. ^0 2. Maiheft
Frankreich.
Hamburg, den 24. April 1920.
Ls liegt der folgende Tatbestand vor:
Seit Ende März tobte — teilweise entsprungen aus der Gegenwirkung gegen den gewissenlosen Unfug des politischen Schwachkopfes Kapp — im Ruhrgebiet ein denkbar übler spartacistischer Aufstand. Lr setzte nicht nur das Schicksal aller Bewohner jenes Gebietes aufs Spiel, sondern bedrohte auch den Bestand des ganzen deutschen Wirtschaftslebens. Die Aufständischen hielten das gesamte öffentliche Leben unter maßlosem Terror, nahmen wahllos Requisitionen und Plünderungen vor, legten die Tätigkeit der Staatsorgane lahm und gefährdeten Sicherheit und Leben jedes Einzelnen. Die Kohlenförderung, die Hochofenbetriebe, auch der Eisenbahnverkehr waren teils schon stillgelegt, teils standen sie unmittelbar vor der Stillegung. Die „Niederrheinische Volksstimme", das Organ der Nehrheits-Sozialisten in Duisburg, schilderte den Zustand so: „Ls ist kein Kunststück, von einer bewaffneten Horde, die im Hintergründe herumstreift, gedeckt, kategorische Befehle herauszugeben, Banken zu plündern, unbequeme wahrheitsgetreue Personen in Schutzhaft zu nehmen und sich über die gegenwärtigen Vereinbarungen hinwegzusetzen." In Essen raubten die bewaffneten Banden die Geschäfte aus und erpreßten von den erschreckten Familien Wertsachen. Um ungestörter plündern zu können, sperrten sie eine Zeitlang die Hauptverkehrsstraße ab; ähnlich sah es an andern Orten aus. Die Führung der Mordbanden lag zum Teil in der Hand russischer Spartakisten. Mitglieder der Banden waren übrigens auch eine nicht geringe Zahl von Personen, für die selbst der Name ,Spartacist< noch zu gut wäre, die einfach plünderndes Gesinde! waren. So erklärt sich die Tatsache, die in der National-Versammlung der mehrheits-sozialistische Abgeordnete Hue festgestellt hat: Unter diesen Umständen haben auch Führer der Unabhängigen und Kommunisten den Einmarsch der Reichswehr gefordert."
In dieser äußersten Not tat die Reichsregierung das Einzige, was sie tun konnte, sie ließ die Reichswehr tatsächlich einmarschieren, über diese Maßregel faßte dann die Versammlung der Essener Stadtverordneten, zu der auch neun Unabhängige Sozialdemokraten gehören, von denen