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Der Vortrupp
y. Jahrgang ^20
Nr. y
rNaiheft
„Das Leben es ist gut."
Daß das Leben gut sei, kann heute wohl nur der verblendete Optimist behaupten. Gern möchten wir uns den alten festen Glauben an das Leben erhalten, wo aber findet dieser Glaube Grund und Boden, in dem er ankern könnte? wohin der irrende Blick sich richtet, er trifft nur auf Wirrnis und Verödung. Hinter uns liegt der Züsammenbruch aller Hoff- nnngen, von denen unsere Jugend erfüllt war, rings um uns sittliche Verwilderung und wirtschaftliche Zerrüttung, vor uns das undurchdringliche Dunkel bloßer Möglichkeiten, wer heute im mittleren Lebensalter steht, hat Unersetzliches verloren, wie mit jedem uns innerlich verwandten Menschen, den uns der Tod entreißt, ein Stück unseres eigenen Lebens dahingeht, so ist auch mit der Vergangenheit etwas von unserem persönlichen Lebensbestande begraben, wir haben das Gefühl, als ob uns nie wieder so ganz froh und leicht ums Herz sein könnte.
Und doch, wie zwecklos ist es, dem Verlorenen nachzutrauern. Hier gilt das harte Wort der Bibel: Laßt die Toten ihre Toten begraben! Dem Lebenden gehört die Zukunft, dem Lebens- und Schaffensmutigen, woher aber diesen Mut nehmen, da doch das ganze Weltgetriebe uns immer von neuem in der Überzeugung stärken muß, daß das Leben bis in sein innerstes Mark verderbt und vergiftet ist? wirklich, aus dem äußeren Leben ist Lebensmut heute kaum zu schöpfen.
Aber gibt es nicht in den Tiefen unseres seelischen Lebens etwas, was von allem äußeren Weltwesen, von Leid und Freud unberührt und un- berührbar zu sein scheint? wie ein zarter Lichtschimmer dringt es manchmal aus den trübsten Gedanken empor, was war es, das in solchen Augenblicken das Seelendunkel plötzlich erhellte? woher jenes seltsame Glücksgefühl, das oft gerade dann auftauchte, wenn wir, fern von aller zerstreuenden Gesellschaft nur der leisen Melodie unseres eigenen Seins lauschten? Der unvergängliche Wert des Lebens ist es, die Wonne des Daseins, das Glück der Bewußtheit, was wir in solchen Augenblicken erleben.
Es gibt eine Betrachtungsweise des Weltgeschehens, wo man das Gute und Schlechte als zwei sich unbedingt ausschließende Gegensätze auffaßt und gegeneinander abwägt, wir denken dann: das Gute soll sein, und das Schlechte und Böse sollte nicht sein. Für die ethische Stellungnahme ist dieser Dualismus unüberwindlich; und alle Philosophie hat das Rätsel, weshalb das Böse in der Welt ist, nicht gelöst. Das Beste, was darüber
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