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Der Vortrupp
9. Jahrgang ^20
Nr. 7
h Aprilheft
Der Anteil der Gebildeten und der Jugend an unserer Volksbildung und Volksunterhaltung.
Die Zerklüftung der Stände und die Zuspitzung des Parteilebens sind Folgeerscheinungen einer falsch betriebenen Volksbildung. Während die begüterten Schichten ihre )ugend durch alle Standes- und Berechtigungsschulen hindurchgehen ließen und sich durch ein festgelegtes Be- rechtigungswesen die Anwartschaft auf alle einflußreichen Amter des Staatslebens sicherten, blieb die Masse des Volkes (über 90^) ohne vertiefte Bildung, ohne Einfluß auf den Gang der politischen Ereignisse.
)n demselben Maße, wie die verkennung und Außerachtlassung des volksmäßigen bei den Führenden infolge der einseitigen Standesschulbildung stieg, wuchs die Sehnsucht der Masse nach Bildung und die Erbitterung darüber, daß die Ausschließung von Bildung gleichbedeutend mit Besitzlosigkeit war.
„Bildung und Besitz" schienen zusammenzugehören.
Darüber, daß echte Bildung und Besitz ganz verschiedene Begriffe find, wurden sich die meisten nicht klar.
Die Massen schauten voll Neid auf die bevorzugten gut bezahlten Stellungen des Gebildeten und sahen im rohsinnlichen Genuß das erstrebenswerte Ziel des Besitzes. Bestärkt wurden sie in dieser Auffassung durch das immer üppiger und aufdringlicher werdende Genußleben der gebildeten Kreise, die ganz ins Fahrwasser einer materialistischen Weltanschauung trieben.
Unsere Volksbildung und Unterhaltung war schon lange vor dem Kriege kahl und schal geworden. Die einseitige Verstandesausbildung schloß die vertiefte Gemütsbildung aus.
Bildung bedeutete eben Macht und nichts weiter.
Unleugbar beherrscht diese schiefe Auffassung der Bildung auch noch heute die nach Bildung und Besitz drängenden Massen. Eine Klärung wird erst dann eintreten, wenn die gleichen Bildungsmöglichkeiten für alle Glieder des Volkes geboten werden.
wir stehen im Begriff, durch das Einheitsschulwesen, durch Fort- bildungs- und Volkshochschulen die Bildung bis in die untersten Schichten des Volkes zu tragen.
Daß von dieser „Durchbildung" unsere Stellung im Völkerleben abhängt, hat uns Fichte schon vor ^00 Jahren gesagt.
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