Jahrgang 
1920: 1920
Entstehung
Seite
117
Einzelbild herunterladen
 

9 » Jahrgang ^20 Nr. 5 ^ Märzheft

Volkswirtschaftliche Haushaltsrechnungen.

Armut.

Nichts kaun uns auf die Dauer über die traurige Tatsache hinweg­täuschen, daß Deutschland durch Krieg und Niederlage furchtbar verarmt und überschuldet ist; daß wir gegenwärtig weit über unsere Mittel leben; und daß keine Verfassungsänderung, kein Sozialismus und kein Rätesystem mehr verteilen karrn, als vorhanden ist. wenn wir nicht in völligen Bankrott versinken wollen, so müssen wir entweder doppelt so viel arbeiten wie vor dem Kriege oder nur halb so viel verzehren. Beides erscheint für die Masse des Volkes unmöglich, wesentlich er­leichtern läßt sich der notwendige Ausgleich zwischen Herstellung und verbrauch durch rationelle Wirtschaft. Ein Ziel des Sozialismus ist ja, durch planmäßige Volkswirtschaft und zweckmäßigste Gestaltung allerArbeit deren Ertrag zu steigern. Das muß geschehen. Aber für die nächsten )ahre sind die Aussichten leider gering, weil es uns an Rohstoffen, Werkzeugen, Verkehrsmitteln fehlt, die im Kriege verbraucht und herunter­gewirtschaftet sind; vor allem aber, weil wir die zahllosen Volksgenossen beschäftigen müssen, die bei rationeller Wirtschaftseinrichtung zunächst aus der Tätigkeit geworfen würden.

Viel zu wenig beachtet ist die rationelle Gestaltung des Verbrauchs. Sie ist besonders wichtig, weil sie jederzeit leicht durchführbar ist, weil sie gerade dem Mangel an Rohstoffen und Nahrungsmitteln entspricht, und weil sie eine dauernde Verbesserung der Volkswirtschaft und der Volksernährung bringt. Sie ist eine Frage der Hausfrauenerziehung. Trotz aller Not und aller Kriegserfahrungen wird in den Küchen noch ungeheuer viel vergeudet oder doch nicht genügend ausgenutzt. Nament­lich der Arbeiterhaushalt ist im Durchschnitt durchaus nicht rationell. Das kann den meisten Frauen nicht zum vorwarf gemacht werden. Die Ver­hältnisse haben sie vielfach gehindert, haushalten zu lernen und der Küche die nötige Zeit und Arbeit zu widmen. Denn eine rationelle Küche kostet viel Zeit und Arbeit. Aber diese lohnt, nicht nur in Not­zeiten, sondern immer. Aus den vielen Kleinigkeiten des einzelnen Hauses entstehen Summen von gewaltiger Bedeutung. Sie den Haus­frauen vor Augen zu führen, ist der Zweck der folgenden kleinen Rech­nungen.

1