Jahrgang 
1920: 1920
Entstehung
Seite
93
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Der Vortrupp

y. Jahrgang Nr. H 2. ^ebruarheft

Mathias Zdarskys Lebenswerk.

Lsamburg, den 8 . Februar 1920.

Mathias Zdarsky ist ein aus Böhmen stammender Deutscher, der, wie nicht wenige von denen, einen tschechischen Namen trägt. Er wohnt jetzt in den Alpen Nieder-Gsterreichs, im Traisental, in Markt! neben Lilisnfeld. Er ist heute nicht mehr ganz jung. wir Deut­schen haben in ihm einen Volkserzieher von ganz großem Ausmaße, nämlich einen Mann von der Art und Größe des Turnvaters Ludwig Iahn. Mathias Zdarskys Lebenswerk besteht (meines Lrachtens zum wesentlichsten Teile) darin, 'S er die Möglichkeit erdacht und ver­wirklicht hat, die unerschöpfliche und völlig einzigartige Kraftquelle des winterlichen Gebirges einem ganzen Volke zum Jungbrunnen werden zu lassen. Platt ausgedrückt: Zdarsky hat die Möglichkeit ge­schaffen, den Wintersport zu sozialisieren.

Der Reichskanzler Bauer hat kürzlich eine Abordnung schlesischer Arbeiter empfangen, die unter anderm verlangten, daß gegenwärtig in ihren Gebirgen keine Wintersportfeste abgehalten werden dürften. Die Abordnung hat dabei ausgeführt, es gehe nicht an, daß für solche Wintersportfeste eine Menge Nahrungsmittel zusammengeschleppt wür­den, während die Bevölkerung darbe. Der Reichskanzler Bauer hat Berücksichtigung dieser Klage zugesagt; er hat damit nicht unrecht gehabt: wintsrsportfeste waren in den glänzenden Zeiten vor dem Kriege ein Luxus, der dem Volke zwar nicht nützte, dem Volke als Ganzem aber auch nicht schadete, der manchen Rekordleuten Gelegen­heit zur Auswirkung einer meist harmlosen Eitelkeit bot, der manchem andern harmlosen Gemüt Freude machte, der schließlich den als solchen sehr wichtigen Berggafthäusern, und auch manchmal ganzen Ortschaften, einen ihnen durchaus zu gönnenden Verdienst brachte. Übel wirkten die Wintersportfeste damals nur durch Überanstrengungen, zu denen sich einige gar zu eitle Toren dabei hinreißen ließen. Bei den heute herrschen­den Nahrungsmittelschwierigkeiten aber haben diese Feste allerdings kaum eine Berechtigung, wenngleich nicht abzusehen ist, warum sie unzu­lässig sein sollen, wenn gleichzeitig die noch viel unnötigeren und positiv schädlichen Massentanzereien überall in Dorf und Stadt erlaubt werden. Aber jedenfalls: Wintersportfeste sind nichts, an dessen Erhaltung oder gar Pflege heute für die Allgemeinheit irgend etwas gelegen wäre.

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