Jahrgang 
1911: 1907/1908
Entstehung
Seite
3
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I. Die politische Lage im Schutzgebiete.

Die friedliche Entwickelung des Schutzgebiets hat im Berichtsjahr erfreuliche Fortschritte gemacht. Wohl treiben sich noch im Norden da und dort Feldhereros herum, aber sie bilden keine Gefahr mehr für die Besiedelung des Landes. Im August 1907 verbreitete sich gleichzeitig mit dem Erscheinen Morengas im Süden die Befürchtung von dem Bevorstehen eines neuen Hereroanfstandes. Tat­sächlich handelte es sich um eine vorübergehende Unruhe unter den Eingeborenen. Einige verließen ihre Arbeits­stellen und versuchten nach Osten über die englische Grenze zu entkommen. Sendboten des ehemaligen Kapitäns Samuel Maharero sollten umherziehen und die Stammes- angehörigen zu bewegen versuchen, nach den Minen von Transvaal auszuwandern. Die Richtigkeit dieser Gerüchte hat sich nicht erweisen lassen.

Im Januar 1908 geboten das Entlaufen mehrerer Hereros aus Okahandja und das Entweichen der im Ge­fängnis zu Windhuk internierten Herero-Strafgesangenen die Verschiebung der für 27. Januar geplanten Aufhebung der Kriegsgefangenschaft. Mit Schluß des Berichtsjahrs konnte die Aufhebung durchgeführt werden.

Im Bezirke Gibeon und im Bezirke Keetmanshoop drohte Simon Kopper, welcher sich in der Kalahari teils diesseits, teils jenseits der britischen Grenze herumtrieb. Wiederholte Viehdiebstähle zeigten, daß seine Leute sich bis zum Fischfluß vorwagten. In den letzten 6 Monaten des Berichtsjahrs hat Simon Kopper selbst Dank der unermüdlichen und aufopfernden Tätigkeit der Schutz­truppe deutsches Gebiet Wohl nicht mehr betreten, aber von englischem Gebiete noch wiederholt Banden zum Rauben und Morden entsandt. Erst die Expedition des Hauptmanns von Erkert, die mit dem ehrenvollen Ge­fecht vom 16. März ihren Abschluß fand, schwächte Simon Kopper so, daß weder er noch die geringen Reste seines Anhangs auf deutschem Gebiet sich bemerkbar machten. Auch aus die übrigen Hottentotten verfehlte dieser Erfolg der deutschen Waffen einen heilsamen Einfluß nicht.

In den Bondelslokationen von Dreihuk, Warmbad und Haib, sowie der der Stürmannleute in Spitzkoppe herrschte im allgemeinen Ruhe. Nur 13 Leute unter dem Vormann Klein-Jakobns und 7 unter Ortmann entfernten sich aus der Lokation zu Warmbad. Die Jakobusbande überfiel die Farm Außenkehr und treibt sich auch jetzt noch teils in den Oranje-Bergen, teils auf der englischen Seite des Oranje herum. Es ist anzunehmen, daß diese Banden zunächst nicht mit rebellischer Absicht die Lokation verlassen haben, sondern lediglich aus altem Hang zur Freiheit und aus Scheu zur Arbeit auszogen, um durch Viehraub die Werft zu versorgen und um dann jagend fern von den Weißen in den Bergen ein ungebundenes Leben zu führen. Immerhin hatten das Entweichen der Bande des Klein Jakobus, die Streifzüge der Kopper- leute und einige weitere Viehdiebstähle erneute Aufregung zur Folge, die sich zeitweise der Aufnahme des Wirt­schaftsbetriebes im Süden hindernd entgegenstellte.

Die Ovambos verhielten sich durchaus friedlich. Ihr Land blieb nach wie vor dem allgemeinen Zutritt ver­schlossen. Nur eiuigeu als besonders zuverlässig bekannten Frachtführern wurde die Erlaubnis zum Betreten des

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