Aufsatz 
Zum Kultus und Zauberglauben der Evheer (Togo) : Beiträge zur Völkerkunde / C. Spiess
Entstehung
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KLEINERE MITTEILUNGEN.

ZUM KULTUS UND ZAUBERGLAUBEN DER EVHEER (TOGO).

VON C. SPIESS (MISSIONAR).

DER LEGBA-KULT.

Die Evheer bezeichnen die aus Lehm hergestellten menschenähnlichen Figuren, die man an Wegen, auf öffentlichen Plätzen wie vor den Eingängen eines Dorfes, auch in der Nähe der Hütten vorfinden kann, mit dem Namen Legbawo. Die Bezeichnung von Legba, aus /d fangen, gba zer­brechen, führt uns auf die Aufgabe die­ser Darstellungen.

Auf unserm Bilde bemerken wir eine Reihe kleiner Stäbe, die alsAbwehrmittel von denLegbawo bei bösen Einflüssen,

Krankheiten, Über­fällen u.dgl. gehand- habt werden. Nicht nur diese Art Ver­teidigungsmittel fin­det man vor den Leg­bawo aufgestellt, sondern manchen dieser Lehmfiguren werden auch Messer gewissermaßen in die Hand gegeben.

Die Eingeborenen bringen den Leg­bawo des öfteren Opfer, worauf die Menge Kauris zu den Füßen des Leg­ba und namentlich die Opferschale hinweisen. Die menschenähnliche Dar­stellung hängt mit der Auffassung zusammen, daß der Togo-Neger sich die höchste Gottheit, genannt Mawu, als Person vorstellt, wie denn das weiße Läpp­chen an die Landeskleidung der Bewohner erinnern soll. Irgend ein Geist soll ab und zu im Legba seine Behausung einnehmen, weswegen es wichtig ist, mit diesem stets in gutem Einvernehmen zu leben. Damit nun, daß man dem Legba-Geiste Opfer spendet, wobei Gebete verrichtet werden, ist das Fetischistische ver­lassen, denn einem Fetisch wird nach den Worten von Eingeborenen nicht geopfert, auch nicht zu ihm gebetet.

Die greifbare Darstellung allein läßt Fetischismus im Legba- Kult zu. In früheren Zeiten haben die Ein­geborenen, ehe ein Legba errichtet wurde, Menschen­opfer gebracht. Auf diesem Opfer wurde dann als erste Gabe der Legba errichtet. Heute baut der Eingeborene

auf Ziegenopfer diese Erdklumpen, die aber nicht im­mer menschenähn­liche Gestalt an sich tragen. Diese Abart der Legbawo nennt der Togoer dann Sewo oder Avheli- wo. Da sie mei­stens kleiner herge­stellt werden, sind sie gewöhnlich im Hofe oder vor der Hütte zu finden. Sind solchen Sewo oder Avheliwo Hüh­nerfedern aufge­steckt, so soll damit das menschliche Kopfhaar angezeigt werden.

Noch ist hinzu­weisen auf männ­liche und weibliche Legbawo, die ent­weder zusammen vor einem Dorfe an­zutreffen sind oder auch getrennt, gewöhnlich so, daß der männliche Legba an einem Ende, der weibliche am andern auf­gestellt ist. Auffallend ist dabei, daß die Genitalien in starker Form gebildet werden. Mit dieser Dar­stellung führt uns der Eingeborene auf die An­schauung, daß seine Gottheiten geschlechtliche Verbin­dungen eingehen und weiter, daß der Geist, der die Legbawo bewohnt, bewirken wolle, daß Fruchtbarkeit unter der Eingeborenenbevölkerung nicht nachlasse. Diesen Gedanken spricht der Priester auch in den Ge­beten an die Legbawo aus, wenn er unter anderem betet: Stehe der Stadt bei und gib, daß sie sich vermehre!

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