Der Vortrupp
^0. Jahrgang Nr. 3 ^ebrnarheft
Bethmann Hollwegs Tod.
An Bethmann Hollwegs Bahre bedarf es für den „Vortrupp" nicht vieler Worte. Der „Vortrupp" hat immer zu ihm gestanden; meine Fidelis-Aufsätze find des Zeugnis, auf den Fidelis-Aufsatz „Bethinann Hollweg" in Nr. l5 von möchte ich jetzt besonders hinweisen.
Es genügt daher, wenn ich mich heute noch einmal mit aller Kraft und mit aller Schärfe zu ihm bekenne: wäre es Bethinann Hollweg möglich gewesen, ihm, der die Dinge sah, wie sie waren, sich während des Weltkrieges durchzusetzen gegen die militärpolitische Nebenregie- rung — das ist gegen Ludendorff, der militärisch ein Genie war, aber politisch blind gegen die Wirklichkeiten, der deshalb nicht sehen konnte, daß angesichts dieser politischen Wirklichkeiten rechtzeitig ein „schlechter" Frieden geschlossen werden mußte, damit ein vernichtender vermieden werde — wäre es Bethinann Hollweg möglich gewesen, sich gegenüber diesem politischen Dilettantismus durchzusetzen, wir stünden nicht, wo wir heute stehen. Aber die fehlerhaften, unfertigen Verfassungszustände machten die militärpolitische Nebenregierung stärker, als die amtliche Reichsregierung es war; und so geschah, was geschehen ist.
Bethmann Hollweg ist nicht nur der Mann, der während des Weltkrieges die Dinge, die deutschen Möglichkeiten und ihre Grenzen richtig gesehen hat. Lr ist außerdem auch der erste ins Große wirkende Vertreter der ethischen Politik. Darüber ist hier an den Stellen, die oben angeführt sind, vieles gesagt worden. Und daraus ist hier zu wiederholen, daß von Bethmann Hollweg und seiner Bedeutung für die Zukunft Schillers Wort gilt:
„Gib der Welt, auf die du wirkst, die Richtung zum Guten, so wird der ruhige Rhythmus der Zeit die Entwickelung bringen."
Hermann Popert.
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