Der Vortrupp
6. Jahrgang Nr. 20 !>8. Vktober W7
Haag.
Berlin, den 8. Oktober 1917.
Am Schlüsse meines Aufsatzes „Bethmann Hollweg" habe ich hier, am 1 « August, die Sätze geschrieben:
„Bethmann Hollweg wird die Folgen, die aus seinem walten als Kanzler sprießen werden, noch erleben, und er wird an diesen Folgen Schillers Wort erproben:
Gib der Welt, auf die du wirkst, die Richtung zum Guten, so
wird der ruhige Rhythmus der Zeit die Entwicklung bringen.
In einer, sehr bedeutsamen, Sache werden diese Folgen schon jetzt sichtbar. Ich meine den Gegenstand von Bethmann Hollwegs Rede vom 9. November 1916, von der es in jenem Aussatze hier hieß:
„Die Rede ist ein Markstein der Weltgeschichte, an dem kein Geschichtsforscher der Zukunft wird vorübergehen können; sie ist das erste amtliche große deutsche Bekenntnis gegen die Anarchie zwischen den Völkern, sie hat die Grundquadern legen helfen für eine zwischenstaatliche Rechtsordnung."
Damals hatte Bethmann Hollweg unter anderm gesagt:
„wenn bei und nach der Beendigung des Krieges seine entsetzlichen Verwüstungen an Gut und Blut der Welt erst zum vollen Bewußtsein kommen werden, dann wird durch die ganze Menschheit ein Schrei nach Abmachung und Verständigung gehen, um, soweit es irgend in Menschenmacht liegt, die Wiederkehr einer so ungeheuerlichen Katastrophe zu verhüten. Dieser Schrei wird so stark und so berechtigt sein, daß er zu einem Ergebnis führen muß. Deutschland wird jeden versuch, eine praktische Lösung zu finden, ehrlich mitprüfcn und an seiner möglichen Verwirklichung mitarbeiten."
Inzwischen ist das Folgende geschehen:
Der Papst hat in seiner Friedensnote als Grundlage des Verhältnisses zwischen den Völkern in der kommenden Friedenszeit die obligatorische (das ist: verbindliche) Schiedsgerichtsbarkeit gefordert; Deutschland und seine drei verbündeten haben sämtlich in ihren Antwortnoten diesen Gedanken grundsätzlich angenommen. Gras Lzernin, der die auswärtige Politik Österreich-Ungarns, unsres größten Bundesgenossen, verantwortlich leitet, hat in seiner großen Rede vom 2. Oktober dieses Annehmen nochmals stark unterstrichen; und die „Norddeutsche
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