Der Vortrupp
6. Jahrgang Nr. ^ Juli M7
Thimmes Bekenntnis.
Berlin, den Juli 1917 .
Die rühmlichst bekannte Zeitschrift „Die Grenzboten", die jetzt von Geheimrat Georg Lleinow herausgegeben wird, bringt in drei Juni- nummern (Nr. 23, 2H, 25 von 1917) drei „Offene Briefe". Diese Briefe richtet vr. Friedrich Thimme, der Bibliothekar des Preußischen Herrenhauses, an den Führer der preußischen Hochkonservativen, Herrn v. Heydebrand und der Läse.
Die Veranlassung dazu ist diese: Während es außerhalb der Parlamente im wesentlichen die „Alldeutschen" sind, die den Aampf gegen den Reichskanzler führen, fällt diese Rolle innerhalb des Reichstages und des Preußischen Landtages, wo die „Alldeutschen" als solche nichts bedeuten, den Hochkonservativen (den sogenannten „Deutschkonser- vativen"^) zu. Auffällig zurückgehalten hatte sich dabei bisher gerade der Mann, der nicht nur im Preußischen Abgeordnetenhause der offizielle Führer der Hochkonservativen ist, sondern der mit Recht ganz allgemein als ihr geistiger Führer angesehen wird: Herr v. Heyde- brand und der Läse. Charakteristisch für dessen bisherige Haltung war vor allem das, was er im Spätsommer 1916 in seiner großen Rede in Frankfurt am Main gesagt hatte:
»Ich glaube nicht, daß es die Absicht der konservativen Partei ist oder sein kann, unsrer Regierung in einer Zeit wie der jetzigen unnötige Schwierigkeiten zu machen. Das würde unverantwortlich sein*,
und ferner sein Ausspruch vom Januar 191?:
„Sie fragen mich nach meiner Meinung über die Rriegsziele. Da scheint mir nun der Zeitpunkt, da alles auf der Schneide des Schwertes steht, da alles von unsern militärischen Erfolgen der nächsten Zeit abhängt, wie gerade jetzt, für eine allgemeine Kriegsbetrachtung wenig günstig. Denn der Gang jener Entwicklung bietet die naturgemäße Grundlage jedes sonstigen Kriegszielos."
*) Die „Hochkonservativen" oder „Deutschkonservativen" sind die Einzigen, die als „Konservative" im Sinne der „Offenen Briefe" Thimmes und demgemäß auch im Sinne dieses Aufsatzes in Betracht kommen. Die „Lroikonservativen" gehören — in diesem Sinne — nicht dazu. In diesem Aufsätze sind also die Ausdrücke „konservativ", „hochkonservativ" und „deutschkonservativ" gleichbedeutend.
D. verf.
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