6. Jahrgang
Nr. I,
t Juni W7
> Aber wer fest. . .
Berlin, den 2^. Mai
Das Wort Goethes — es gehört zu den letzten Versen des Schluß- gesanges von „Hermann und Dorethea" — lautet in voller Länge: Aber wer fest aus dem Sinne beharrt, der bildet die Welt sich.
Dies Wort bietet, so scheint mir, den besten Rahmen für das, was zu sagen ist, nachdem der Deutsche Reichstag am >s5. Mai verhandelt hat.
Das Wort gibt eine Verheißung für Den, der „fest aus dem Sinne beharrt".
was ist am Mai im Reichstage geschehen? Zwei Interpellationen, eine der Hschkonservativen und eine der Socialdemokraten, hatten vom Kanzler eine programmatische Erklärung zur Frage der Rriegsziele verlangt. Der Reichskanzler hat darauf erwidert in einer Rede, deren entscheidender Satz lautet:
„Die Abgabe einer solchen Erklärung im gegenwärtigen Augenblick würde den Interessen des Tandes nicht dienen, deshalb muß ich sie ablehnen."
welches ist der wesentliche Zug in dem Geschehen vom l5. Mai? Die Frage mag von Verschiedenen verschieden beantwortet werden, ich für meinen Teil sehe diesen wesentlichen Zug in dem Folgenden: Ich gehe aus von der Entstehungsgeschichte dieser Interpellationsdebatte. Deren erste Lntstehungsursache ist die zuerst eingereichte, die hochkonservative, Interpellation. In ihr hat der Kanzler, wie seine Rede zeigt, einen Versuch erblickt, ihn auf Lroberungsziele programmatisch festzulegen. Daß er mit dieser Auffassung recht hat, beweist meines Erachtens die Rede, womit der hochkonservative Abgeordnete Dr. Roesicke die Interpellation begründet hat. wie sich der Kanzler zu diesem Versuchs der Hochkonservativen, ihm in der Frage der Kriegsziele und der taktischen Behandlung der Kriegszielfrage ihren willen aufzuzwingen, einem Versuche, der seit Wochen mit allen