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1917: 1917
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Der Vortrupp

6. Jahrgang Nr. 5 1. März M7

Unbillige Anklage.

Berlin, den 22. Februar ^9^.

Die Zensur kann nicht beliebt sein; die Ausgabe, sür die sie da ist, schließt das aus. Aber was auch sie fordern darf, ist dies, daß man sie nicht unbillig anklage. Ich will heute von einem Falle reden, wo eine politische Gruppe die Zensur unbillig angeklagt hat.

was ich zunächst zu berichten habe, ist Einleitung; es soll den Leser in das geistige Rlima der Gegend einführen, in der wir heute wandern werden.

Unter Dem, was die Alldeutschen in der letzten Zeit gesagt und ge­tan haben, leuchten die folgenden vier Dinge besonders hervor:

Am 3. Februar hat der Vorsitzende des Alldeutschen Verbandes in einem öffentlichen Vortrage in Hamburg gesagt:

wir können Gott auf den Knien danken, daß unser Friedensangebot zurückgewiesen ist."

Zweitens: Bekanntlich hat sich auch unser Raiser mit voller Wucht zu der Deutschen Tat vom 42. Dezember und zu seinem persönlichen Anteil daran bekennen wollen. Deshalb ist Mitte Januar in derNord­deutschen Allgemeinen Zeitung" der Brief veröffentlicht worden, den der Aaiser in dieser Sache an den Reichskanzler gerichtet hatte. Der Brief lautet ja so:

Neues Palais, 3 ^. Oktober l9l6.

Nein lieber Bethmann!

Unsere Aussprache habe ich noch nachträglich überdacht. Ls ist klar, die in Kriegspsychose befangenen, von Lug und Trug im Bann des Kampfes und im Haß gehaltenen Völker unserer Feinde haben keine Nänner, die imstande wären, die den moralischen Nut besäßen, das befreiende Wort zu sprechen. Den Vorschlag zum Frieden zu machen, ist eine sittliche Tat, die notwendig ist, um die Welt auch die Neutralen von dem auf Allen lastenden Druck zu befreien. Zu einer solchen Tat gehört ein Herrscher, der ein Gewissen hat und sich Gott verantwortlich fühlt und ein Herz hat für seine und die feindlichen Nenschen, der unbekümmert um die eventuellen absichtlichen Niß- deutungen seines Schrittes den willen hat, die Welt von ihren Leiden zu befreien. Ich habe den Nut dazu, ich will es auf Gott wagen. Legen Sie mir bald die Noten vor und machen Sie alles bereit.

(gez.) Wilhelm. I. k.

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