Der Vortrupp
6. Jahrgang Nr. 2 ^6. Januar W7
Wilsons Dezembernote.
wilsons Note voin 2^. Dezember hat, werrn man alle Begründungen, Erwägungen und Ausblicke abzieht, den folgenden Inhalt: Präsident wilson erklärt es für wünschenswert, daß die Kriegführenden baldigst ihre Friedensbedingungen bekannt geben, w i e das gemacht wird, ist dem Präsidenten wilson gleich. Line Vermittlung bietet er nicht an.
2. Präsident wilson sagt: Nach Beendigung des Krieges wird unter den Völkern eine Vereinbarung zur Sicherung des Weltfriedens nötig sein. Das amerikanische Volk und seine Regierung sind bereit, dabei mit allem ihnen zu Gebote stehenden Linsluß und mit allen ihren Mitteln mitzuwirken.
Diese Dezembernote wilsons bedeutet, wie ich es beurteile, eine starke Unterstützung der deutschen Politik, wie die sich in der Tat vom l2. Dezember ausdrückt.
Die Wirkung dieser Politik habe ich niemals von heute aus morgen erwartet, und für die Beurteilung dieser Wirkung spielt deshalb die, recht töricht gefaßte, ablehnende Vierverbandsnote vom 30. Dezember keine wesentliche Rolle. Ebenso kommt bei der Dezembernote wilsons nicht das Augenblicksergebnis sondern die Dauerwirkung in Betracht.
Wilsons Note erzeugt, ganz gleichgültig wie ihre unmittelbaren Ergebnisse sind, einen dauernden Druck gegen die augenblicklichen, kriegschürenden Machthaber im Vierverband.
Deren gegenwärtige Lage ist diese: Sie persönlich wünschen die Fortsetzung des Krieges. Einen Teil von ihnen treibt dabei persönlicher Ehrgeiz, so den offiziellen Machthaber Lloyd George, ein Teil folgt reinen Geschäftsinteressen, so Englands derzeitiger eigentlicher Machthaber Lord Northclisse. Die meisten aber jagt die Furcht vor der Abrechnung mit ihrem Volke, die mit dem Frieden kommen muß, so Poincarö, Briand, Sonnino, auch den Zaren und seine Umgebung. Die Wortführer der russischen Duma endlich erwarten von der Fort-
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