Der Vortrupp
6. Jahrgang Nr. 1 1. Januar
Die Tat vom zwölften Dezember.
Ich schreibe dies am 1 Z. Dezember. Da kann man nichts Politisches schreiben, in dessen Mittelpunkt nicht die Tat der deutschen Regierung vom 12. Dezember 191 « stünde: das feierliche Friedensangebot durch den Reichskanzler inmitten der Reichsboten.
Zu der Zeit, wo ich dies niederschreibe, weiß noch Reiner, welches der unmittelbare Erfolg dieser Tat sein wird. Darum wäre es zwecklos, heute viel über sie zu schreiben. Aber Lines darf schon heute gesagt werden, und muß schon heute gesagt werden, gerade bevor der Erfolg bekannt ist. Denn die Tat vom 12. Dezember verlangt von Jedem, daß er seine Stellung zu ihr finde, auch ohne Rücksicht auf ihren Erfolg. Und diese Tat kann Da» verlangen.
Ich aber stehe zu dieser Tat so: noch nie bin ich so stolz gewesen, ein Deutscher zu sein, wie jetzt, wo diese Tat geschah.
Der deutsche Dichter sprach:
„Und e» mag am deutschen Wesen Einmal noch die Welt genesen.-
Nie ist die Welt der Genesung bedürftiger gewesen, als jetzt — denn sie ist todkrank. An dem wahren deutschen Wesen aber, wie es in der deutschen Tat vom 12 . Dezember ans (icht getreten ist, kann sie genesen, wie immer auch der unmittelbare Erfolg dieser Tat aussehen mag.
Durch diesen Rrieg ging bisher ein völkermordender Aberglaube: „Reiner darf als erster zu Verhandlungen einladen, denn darin würde der Gegner das Eingeständnis erblicken, daß man schwach sei." — Dieser Aberglaube sperrte der Vernunft die Nahn zu ihrer Wiederkehr in die Herrschaft über die Welt. Am 12. Dezember hat Deutschland diesen Aberglauben getötet; er lebt nicht wieder auf, wie immer jetzt die nächsten Geschehnisse sein mögen: die Nahn für die Vernunft ist jetzt frei.
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