Der Vortrupp
?. Jahrg. ^9^8 Nr. 2H 2. Dezemberheft
Unsre Ziele und Wege.
Hamburg, den 7 . Dezember 4948.
In den Mittelpunkt aller Vortrupp-Arbeit stelle ich als Bekenntnis Goethes Worte:
„Volk und Knecht und Überwinder,
Sie gestehn zu jeder Zeit:
Höchstes Glück der Lrdenkinder Sei nur die Persönlichkeit.
Jedes Leben sei zu sichren,' wenn man sich nicht selbst vermißt;
Alles könne man verlieren, wenn man bliebe was man ist."
Das, woraus es ankommt, das, was schließlich das Ziel aller öffentlichen Arbeit ist, Das ist, meiner tiefsten Überzeugung nach, derein - zelne lebendige Mensch und seine Glückseligkeit. Für uns also zunächst der einzelne lebendige Deutsche und seine Glückseligkeit.
Unter all dem Unbeschreiblichen, was in allen krieg führenden Ländern der erste Kriegswahn hervorgebracht hat, war mit das Schlimmste das Buch „Händler- und Heldengeist" von Professor Werner Sombart. Es war eine wirkliche Girlande von Unglaublichkeiten; bezeichnenderweise konnte der Verfasser dieses Dinges einige Zeit nachher Rektor der Universität Berlin werden. Sombart, der es in diesem Buche unter Anderm dem englischen Soldatenzumschwerenvorwurfmacht, daßersich auch im Felde rasiere, (der also offenbar von der grundsätzlichen Reinlich - keit und Körperpflege gerade des deutschen Soldaten keine Ahnung hat), erklärt in diesem wunderbaren Werke die Lehre, daß der Zweck des Staates das größtmögliche Glück der möglichst Vielen sei, für „hundsföttisch". Zu dieser „hundsföttischen" Lehre will ich mich hierdurch mit aller mir möglichen Entschiedenheit bekannt haben, über die Gegnerschaft des Herrn Professor Sombart tröstet mich dabei die Übereinstimmung mit Kant, der es in feiner Schrift „Zum ewigen Frieden" für die eigentliche Aufgabe der „Politik" erklärt, dem Wunsche der Menschen nach
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