Der Vortrupp
7. Jahrg. Wb Nr. 22 2. Novemberheft
Die Papierknappheit zwingt uns noch eine kurze ' * Zeit, den Umfang des „Vortrupp" zu beschränken.
Damit wir den Inhalt nicht wesentlich zu kürzen brauchen, lassen wir unsre Zeitschrift so langenoch in kleinerem Druck erscheinen.
Das Erscheinen dieses Vortruppheftes hat sich infolge der Verkehrsbehinderungen um eine volle Woche verzögert.
Vortrupp.
^U8tma kunäamenwm reZnorum.
Berlin, den H. November l9l8.
Das heißt zu deutsch: Die Gerechtigkeit ist die Grundmauer des Staates. Es besteht Gefahr, daß gegen diese Wahrheit bei uns folgenschwer gesündigt werde:
Mitte Oktober hat in München der Landesparteitag der sozialdemokratischen Partei Bayerns die folgende Entschließung angenommen:
„Der Parteitag der fozialdemokratischen Partei Bayerns fordert vom Reichstag die Einsetzung und Wahl eines Staatsgerichtshofes zur Feststellung und Aburteilung aller Schuldigen, die frühere Friedensaktionen zum Scheitern brachten und damit die Verantwortung tragen für den unglücklichen Kriegs- ausgang und für die Lasten und Opfer, die wir während und nach dem Kriege zu tragen haben. Diese Untersuchung hat vor keiner auch noch so hochstehenden Person haltzumachen."
Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat sich diese Forderung zu eigen gemacht, indem am 24. Oktober ihr damaliger Sprecher, der Abgeordnete Noske, ausgesprochen hat:
„Mit Recht haben die bayerischen Sozialdemokraten einen Staatsgerichtshof zur Prüfung der Schuldfrage verlangt. Dieser wird sich auch eingehend mit der Art der Verhandlungen zu beschäftigen haben, die vor zwei Jahren zwischen dem Grafen Bernstorff und wilson geführt wurden."
Der „vorwärts", das Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, hat bereits am ^ 5 . Oktober zu dem bayrischen Beschlusse erklärt:
„Die Forderung nach der Einsetzung eines Staatsgerichtshofes zur Aburteilung aller Schuldigen findet unsern vollen Beifall. Zweifelhaft sein könnte nur, ob jetzt schon, solange der Frieden noch nicht unter Dach und Fach ist, der geeignete Zeitpunkt hierfür gegeben ist. Aber spätestens eine Woche nach Friedensschluß muß dieser Ausschuß in Funktion treten, und dann sollte er seine Untersuchungen über die gesamte Kriegsdauer wie auch die Vorzeit des Krieges erstrecken."
Auch außerhalb der Sozialdemokratie wird diese Forderung aufgenommen, so hat Maximilian Harden sie sich zu eigen gemacht.
Diese Dinge richten sich ganz zweifellos zunächst gegen eine Politik, und gegen die Träger einer Politik, die ich hier seit dem September ldl 6 bekäinpfe.
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