Der Vortrupp
?. Iahrg. M8 Nr. 2^ Novemberheft
Durch die Verfügung über die Einschränkung des * Papierverbrauches find wir, wie alle anderen Zeitschriften, gezwungen, den Umfang zu beschränken. Damit wir den Inhalt nicht wesentlich zu kürzen brauchen, lassen wir den „Vortrupp" jetzt in kleinerem Druck erscheinen.
Vortrupp.
Lrzbergers Grundgedanken.
Berlin, den 26. Oktober jys8.
In den politischen Aufsätzen, die, ich nun seit mehr als zwei Jahren für den „Vortrupp" schreibe, habe ich von Anfang an den Gedanken vertreten, den ich am l. Dezember in dem Aufsätze „Der Lohn der Opfer"*) s o gefaßt habe: „Die Opfer dieses Krieges sind nur dann nicht u m- sonst gebracht, und unsre toten Feldgrauen sind nur dann nicht umsonst gestorben, wenn dieser Krieg zu Zuständen führt, die einen neuen Krieg — mindestens unter Europäern und ihren Abkömmlingen, und mindestens für jede absehbare Zeit — unmöglich mache n." (Gerade gegenwärtig scheint es mir angemessen, zu betonen, daß wenn der Krieg zu solchen Zuständen führt, die in ihm gebrachten Opfer unter keinen Umständen umsonst gebracht sind.)
Einer von denen, die den gleichen Gedanken seit Jahren im Deutschen Reiche mit der größten Entschiedenheit und mit dem größten Nute vertreten haben, ist Matthias Lrzberger, Nitglied des Reichstages, jetzt auch Staatssekretär und Nitglied des Kriegskabinetts. Auch mit dem größten Nute: Denn gegen ihn, wie gegen alle die, die in diesem Punkte, wie in andern Punkten, die Dinge richtig sahen und im Interesse des Vaterlandes die richtigen Folgerungen daraus zogen, wurde von den bekannten Zentralen aus der in solchen Fällen übliche Feldzug geführt. Und zwar ist dabei gerade gegen Matthias Erzberger das wildeste an Schimpf und an Verleumdung geschleudert worden, was von jener Seite überhaupt geleistet worden ist. Immer nach der Methode, daß dabei auf die Dummen, auf D i e spekuliert wurde, die das Nachdenken für eine vaterlandsfeindliche Betätigung halten: Las man all die wüsten Angriffe gegen Erzberger genau, die in den, den betreffenden Zentralen zugänglichen Preßorganen gleichzeitig und rudelweise aufzutreten pflegten, so blieb niemals etwas übrig, was man überhaupt fassen und wobei man sich etwas Bestimmtes denken konnte; es zerlief einem in der Hand, so wie eine Oualle, die man ergreift, zu übelm Schleim wird. Aber die Aufmachung, und namentlich die Überschriften, waren immer so beschaffen, daß sie bei den politisch Urteilslosen (die ja überhaupt vielfach nur die fettgedruckten Überschriften lesen) vortreffliche Wirkung
*) Vortrupp-Flugschrift Nr. 39 .
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