Der Vortrupp
7. Jahrg. Wb Nr. O ^ Oktoberheft
Durch die Verfügung über die Einschränkung des " ^ " Papierverbrauches sind wir, wie alle anderen Zeit
schriften, gezwungen, den Umfang zu beschränken. Damit wir den Inhalt nicht wesentlich zu kürzen brauchen, lassen wir den „Vortrupp" jetzt in kleinerem Druck erscheinen.
Vortrupp.
Wirtschaftsfrieden.
In dem Aussatz „Wirtschaftskrieg" (im vorigen Heft des Vortrupp) haben wir die Pläne unserer Feinde erörtert, die dahin zielen, der Stellung Deutschlands in der Weltwirtschaft, die uns vor dem Kriege in wenigen Jahrzehnten aus einem armen Volke zu einem reichen gemacht hat, ein für allemal ein Ende zu bereiten, und,haben dargelegt, daß diese Pläne durchaus ernst zu nehmen sind. Es hat bei uns im Kriege leider von jeher sehr viele Leute gegeben, die alle von unseren Gegnern gegen uns ausgestellten Pläne, soweit sie etwas Neues, nie Dagewesenes in Aussicht stellten, ohne weiteres als unausführbar betrachteten und als lächerliche Phantasterei hinstellten. So ist über den Plan der Engländer, ein Heer von 5 Millionen, die sogenannte Kitchener-Armee, auszuheben, auszubilden und auszurüsten, bei uns im ersten Kriegsjahr bis weit in das zweite hinein viel gelächelt worden. Man hielt es für unmöglich, daß ein'Volk, das bei Ausbruch des Krieges weder die allgemeine Wehrpflicht kannte, noch eine nennenswerte Waffen- und Mnni- tionsindustrie besaß, noch in diesem Kriege ein Heer von größerer Stärke werde in die wagschale werfen können; bis die Sommeschlacht des Jahres uns plötzlich vor die Tatsache stellte, daß die Engländer ihren Plan im wesentlichen bereits ausgeführt und namentlich in bezug auf Kriegsmaterial einen vorsprung gewonnen hatten, den wir erst im Lause vieler Monate durch Ausführung des sogenannten Hindenburg-Programms einigermaßen wieder ausgleichen konnten. Und fast genau dasselbe wiederholte sich gegenüber dem Plane der Amerikaner, aus Frankreichs Boden mit einem starken Heer zu erscheinen. Die Unausführbar- keit dieses Planes galt sehr vielen bei uns mit Rücksicht auf unsere U-Boote als unumstößliche Gewißheit. Und nun? Die Zahl der schon jetzt in Frankreich befindlichen Amerikaner wird aus über eine Million geschätzt; ihre militärische Tätigkeit ist für unser Heer bereits sehr fühlbar, und es ist mehr als wahrscheinlich, daß sie in der Folge noch fühlbarer werden wird.
Diese Unterschätzung der Hilfsquellen und Möglichkeiten unserer Gegner, die manchen Deutschen begegnet ist, hätte kein besonderes Interesse, wenn sie nicht gerade in solchen Kreisen sehr verbreitet gewesen wäre, die einen starken Einfluß auf unsere militärischen und politischen Maßnahmen ausübten. Die Geschichte des Weltkrieges wird sich einst eingehend mit diesen Irrtümern und ihrem Einfluß auf den Gang der Kriegsereignisse zu beschäftigen haben. Schon jetzt werden wir aber gut tun, für die Folgezeit des Krieges die Lehre zu ziehen, daß wir uns selbst schaden, wenn wir die Geschicklichkeit und Zähigkeit unserer Gegner
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