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1918: 1918
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Der Vortrupp

7. Iahrg. ^9^8 Nr. ^8 2. ^-eptemberheft

Der nächste Aufsatz unsres Berliner politischen Mitarbeiters Fidelis wird in Nr. 20, dem zweiten Gktoberhefte desVortrupp" erscheinen. Vortrupp.

Wirtschaftskrieg.

Jin Vortruppheft Nr. d. I. hat Fidelis daraus hingewiesen, daß das Hauptgewicht des Friedensvertrages von Bukarest für uns in seinen wirtschaft­lichen Bestimmungen liegt und hat zur Beleuchtung dessen die Vorteile dargelegt, die das Petroleum-Abkommen mit Rumänien für uns bietet. Noch immer finden sich auch bei uns Lroberungspolitiker, die da glauben, der Sieg in diesem Kriege müsse sich dereinst in Ländererwerb oder mindestens in einer Kriegsentschädigung ausdrücken, und die laut verkünden, das deutsche Volk werde alle Opfer an Gut und Blut umsonst gebracht haben, wenn der Frieden ihm weder das eine noch das andere bringe. Diejenige Seite des Krieges und des Friedens, die für Deutsch­lands Zukunft die wichtigste ist, nämlich die wirtschaftliche Seite, wird von weiten Volkskreisen noch immer völlig übersehen oder doch als nebensächlich behandelt. Und das rührt daher, daß in diesen Kreisen, zu denen auch ein großer Teil der sogenannten Gebildeten gehört, von jeher nur sehr wenig Verständnis für die großen wirtschaftlichen Fragen vorhanden gewesen ist. Gewiß, die üblichen Schlagwörter des Krieges kennt jetzt jeder. Man spricht davon, daß der Handels­neid des englischen Krämervolkes die eigentliche Ursache des Krieges sei, daß England unsern Welthandel vernichten möchte und für die Kriegszeit vernichtet hat. Man weiß, daß es uns deshalb anRohstoffen" fehlt, und man fühlt am eigenen Leibe, daß dieser Zustand höchst unbehaglich ist. Neuerdings macht man sich auch einsichtig darauf gefaßt, daß es nach diesem Kriege eine ganze weile, vielleicht sogar ein paar Jahre, dauern wird, biswieder Alles beim Alten sein wird".

Daß es d i e große Frage des Krieges ist, o b jemals bei uns Alles, oder auch nur das Meiste, wiederbeim Alten sein wird", daß es gerade darum geht, ob wir unseren alten Wohlstand wiedergewinnen oder ob wir für immer, min­destens auf Generationen hinaus, ein Leben in Armut und Teuerung führen werden, das haben Unzählige bei uns überhaupt noch nicht erfaßt. Gewiß, so denken viele, für unseren Handel, unsere Industrie steht viel auf dem Spiele; aber wenn unsere Großkaufleute und unsere Großindustriellen später etwas weni­ger verdienen und darum, meinen viele, handelt es sich im Grunde nur, so wäre das schließlich nicht so furchtbar schlimm, wenn wir nur denKrieg gewin­nen". Daß wir den Krieg unter allen Umständen verloren haben, wenn es unserem Handel, unserer Industrie nicht gelingt, wenigstens annähernd ihre frühere Stellung wiederzugewinnen, von dieser Erkenntnis sind die meisten noch ziemlich weit entfernt.

Um es einmal so auszudrücken: es wäre möglich, daß ein allgemeiner Frieden uns Llsaß-Lothringen und unsere Kolonien beließe und uns Belgien mit den

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