Jahrgang 
1918: 1918
Entstehung
Seite
301
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Der Vortrupp

7. Jahrg. Nr. ^6 2. Augustheft

Durch die Verfügungen über die Einschränkung des > Papierverbrauches sind wir, wie alle anderen Zeit­schriften, gezwungen, den Umfang zu beschränken. Damit wir den Inhalt nicht wesentlich zu kürzen brauchen, lassen wir denVortrupp" jetzt in kleinerem Druck erscheinen.

Lchriftleitung und Verlag desVortrupp".

Wiederaufbau und Frauenfrage.

Nach dem Krieg wir denken daran mit einem Vorgefühl frohen, neuen Iufassens in den heute abwartend gebundenen Händen; aber wir denken auch daran im Vorgefühl der schweren Fragen, die diese Zeit uns zu lösen geben wird. werden die erneuernden Kräfte, in einem Gefühl unsagbarer Erleichte­rung emporquellend, alle Schwierigkeiten im Sturm nehmen, oder wird der Druck unerfüllbarer Hoffnungen, nun erst ganz bewußter äußerer und innerer Verluste, die aus mancherlei Versagen aufkeimende Skepsis die Oberhand ge­winnen? wird ein Zusammenraffen zu neuer Einheit unser Dank für das end­lich errungene Ende fein, oder wird das traurige Zerbröckeln dieser Einheit weiter gehen?

Unter der Decke des Abwartens, der immer noch nicht ablaufenden Flut der Kriegsbegebenheiten steigen leise die geistigen Kräfte neuer Gestaltung auf. Noch sehen wir ihre Richtung nicht. Aber wir fühlen das Regen in dem noch gestaltlosen unruhigen Idealismus der Jugend; wir fühlen über dem Gifthauch und dem blutigen Dunst der Schlachtfelder den Atem neuen frischen Geistes, suchender Seelen, welche Ziele sich dieser Geist setzen wird, wenn er die schwere Vergangenheit hinter sich lassen kann, ist im Einzelnen noch nicht zu sagen. Zweier­lei nur scheint als gewiß gegeben: ein Inneres und ein Äußeres. Das Innere: wir bedürfen eines ganz starken, ganz unbekümmerten, grenzenlos tapferen Idealismus, um aller Belastung die Spitze zu bieten, die wir aus denr Kriege mitnehmen: der Kriegsgewinnler-Gesinnung, der millionenfachen Sorge, der nie dagewe­senen tatsächlichen Abhängigkeit von materiellen Bedingungen. Das Äußere: auch nach dem Kriege ist der Lharakter unseres politischen Daseins Verteidigung. Vielleicht nicht im militärischen Sinn (wir wissen es nicht). Jedenfalls aber im Sinne jener Zusammenballung aller Kräfte der Einzelnen zur nationalen Ge­samtleistung. UnserLebennach dem Kriegewird stärker staat­lich und sozial gebunden sein, weil Wiederaufbau nur als Gesamt­leistung, als planvolle Gemeinsamkeitsarbeit möglich ist. Auch die Betrach­tungsweise, die der Verteidigungskampf in uns gefestigt hat, weist auf dies Zusammenstehen, die Zugehörigkeit jedes Einzelnen zum Ganzen als Kraft­zuwachs oder als Bresche. Jedenfalls als Teil eines Körpers, als Organ ge­meinsamer Wohlfahrt.

Diese Beziehung jedes Linzellebens auf das Ganze, die Betrachtung jeder Kraft als eines Gutes der Nation und jeder Verkümmerung als eines ihr zuge-

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