Der Vortrupp
7. Jahrg. M8 Nr. ^5 Augustheft
Durch die Verfügungen über die Einschränkung des «r V Papierverbrauches sind wir, wie alle anderen Zeitschriften, gezwungen, den Umfang zu beschränken. Damit wir den Inhalt nicht wesentlich zu kürzen brauchen, lassen wir den „Vortrupp" jetzt in kleinerem Druck erscheinen.
Schriftleitung und Verlag des „Vortrupp*.
Graf Hertlings Außenprogramm.
Berlin, den 27 . Juli ^9^8.
Die Leser meiner politischen Aufsätze im „Vortrupp" wissen, daß diese Aufsätze durchaus auf dem Boden derjenigen politischen Auffassung stehen, deren Vertreter unter Andern Herr v. Aühlmann ist. Ich verweise zum Beispiel auf die beiden Aufsätze „Drei Reden" in Nr. 21 von 4947 und „Erdöl" in Nr. H von 19s8. Die Leser meiner Aufsätze wissen weiter, daß ich es für unser Vaterland für schlechthin verhängnisvoll halten würde, wenn Kühlmanns Rücktritt bedeutete, daß an Stelle seiner politischen Auffassungen nunmehr die Auffassungen seiner wilden Gegner — der Alldeutschen und ihrer Verwandten, insbesondere der im wirklichen Leben von den Alldeutschen häufig kaum zu unterscheidenden „Vaterlandspartei" — entscheidenden Einfluß auf die Politik des Deutschen Reiches erlangt hätten: wie es oft in meinen Aufsätzen ausgeführt und belegt worden ist (man liest vielleicht besonders meinen Aufsatz „Luftreinigung" in Nr. s von 1918 noch einmal nach), würde dadurch die deutsche Kriegspolttik zu einem politischen Hasardspiel mit furchtbarem Einsatz und kaum vorhandener Gewinnaussicht werden. Dieses Hasardspiel müßte gegen den willen des größten Teiles des deutschen Volkes gespielt werden, wofür die ganz ungewohnten Weiterungen, die sich am 9. Juli im Reichstage hinsichtlich der Kriegskredite ergeben haben, ein neuer Beweis sind. Dieses Hasardspiel müßte dazu auch noch ohne unsre Bundesgenossen gespielt werden. Jeder Nüchterne weiß Das längst, aber auch wer in diesen Dingen bisher noch nicht nüchtern war, könnte es jetzt möglicherweise doch werden, wenn er liest, was Graf Lzernin soeben, am 18. Juli, im Herrenhause zu Wien gesagt hat. Graf Lzernin, der frühere Minister des Äußern, hat da eine Rede gehalten, die nicht nur das Bündnis mit dem Deutschen Reiche, sondern dazu auch noch den deutschen Kurs in Österreich'selbst in denkbar schärfster weise fordert. Um so bezeichnender ist es, wenn gerade diese Rede die Sätze enthält:
„Natürlich wenn wir die deutschen Interessen ebenso behandeln sollen wie die unsrigen, wenn wir für sie kämpfen sollen wie für die unsrigen, und ich wünsche, daß dies so sei, dann müssen wir wissen, welches die Kriegsziele sind, für die wir den Krieg weiterführen sollen. Ich stelle keine Anfrage an den Ministerpräsidenten. Ich verlange auch gar nicht, daß man uns die deutschen Kriegsziele mitteilen möge. Ich hoffe nur von ganzem Herzen, daß der Minister des Äußern die Kriegsziele
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