Jahrgang 
1918: 1918
Entstehung
Seite
221
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Der Vortrupp

7. Jahrg. W8

Nr. p

2. Iuniheft

Durch die Verfügungen über die Einschränkung des ^ v Papierverbrauchcs sind wir, wie alle anderen Zeit­

schriften, gezwungen, den Umfang zu beschränken. Damit wir den Inhalt nickt wesentlich zu kürzen brauchen, lassen wir denVortrupp" jetzt in kleinerem Druck erscheinen.

Schriftleitung und Verlag desVortrupp".

Die Brille Amerikas.

Berlin, den 8. Juni sq(8.

Klare Erkenntnis der Geistesbeschaffenheit eines feindlichen Volkes be­fähigt zur richtigen militärischen und diplomatischen Behandlung dieses Volkes und ist daher ein Kriegsmittel. Sie kann nicht ersetzt werden durch Haß und Schmähungen. Deshalb ist es ein Zeichen eines unsern Feinden ungünstigen Zustandes, daß die SchimpfereiBoches" Gemeingut so ziemlich des ganzen französischen Volkes und die SchmähungThe Huns" Besitztum nicht unerheb­licher Teile des englischen Volkes geworden ist. während bei uns Deutschen dieHaßgesänge" in Versen und in Prosa, die Briefumschlag-AufdruckeGott strafe England" und ähnliche Dummheiten, weil unsern Kriegszweck nicht för­dernd, stets von dem allergrößten Teil unsres Volkes abgelehnt worden sind, und vollends heute kein Ernsthafter in unserm Volke von dergleichen mehr etwas wissen will.

Der klaren Erkenntnis der Geistesbeschaffenheit eines der uns feindlichen Völker will ein kleines Buch dienen, das im Verlage von Georg Müller (in München und Berlin) erschienen ist. Ls führt den TitelAmerika als Feind". Der Verfasser ist der Direktor der Münchner Handelshochschule und Professor an der Universität München, Dr. Moritz Julius Bonn. Professor Bonn ist vom 5. August bis zum (H. Februar sy(7 in den Vereinigten Staaten anwesend gewesen, also vom Beginne des Weltkrieges bis nach dem Abbrüche der diplomatischen Beziehungen zwischen der Union und uns. Bonn hat inner­halb dieser Zeit drei Semester lang an den Universitäten Kalifornien, Wisconsin und Lornell Vorlesungen gehalten; er hat außerdem in den verschiedensten Lan­desteilen und vor den verschiedensten reinamerikanischen Kreisen in Wort und Schrift die deutsche Sache vertreten. Dabei hat er die Geistesbeschaffenheit der Nordamerikaner auf das genaueste kennen gelernt. Und zwar diese Geistes­beschaffenheit besonders in der Richtung, auf deren Kenntnis es für unsre Kriegs­zwecke gegenwärtig ankommt: nämlich den Standpunkt, von dem aus die Masse der Nordamerikaner Deutschlands Rolle im Weltkriege betrachtet. DieBrille Amerikas", wie ich es nennen möchte. Diesen Standpunkt der Masse der Nordamerikaner führt nun Bonns kleines Buch deutschen Lesern vor. Deutschen Lesern: Denn der Zweck des Büchleins ist naturgemäß nicht, auf Amerikaner zu wirken und diesen zu zeigen, wie schief ihr Standpunkt zum großen Teile ist;

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