Der Vortrupp
7. Jahrg. M8 Nr. 8 2. Aprilheft
Durch die Verfügungen über die Einschränkung des Papierverbrauches sind wir, wie alle anderen Zeitschriften, gezwungen, den Umfang zu beschränken. Damit wir den Inhalt nicht wesentlich zu kürzen brauchen, lassen wir den „Vortrupp" jetzt in kleinerem Druck erscheinen.
Schriftleitung und Verlag des „Vortrupp".
Eine englische Verurteilung der Kriegspolitik
Englands.
(Edmund D. Norel: Irntb unä Iks Vlur. I-ovSon, Ikv UstlouLl Ludour krsss I^lä. 1916. XXIII LNä 320 8.)
lver die noch immer hochgehende Flut von Haß und Verleumdung ansieht, die sich aus der feindlichen Presse — nicht nur geduldet, sondern geradezu bewußt gefördert von den maßgebenden Staatsmännern — über Deutschland ergießt, dem muß sich die Frage aufdrängen, ob wir es wohl jemals erleben werden, daß sich zwischen uns und den westmüchten wieder ein gesitteter Verkehr anbahnt, ein geistiger Austausch, wie er früher stattfand, und es ist gewiß begreiflich, wenn mancher geneigt ist, diese Frage zu verneinen. Und doch ist der jetzige Zustand viel zu künstlich, steht viel zu sehr im Widerspruch mit der menschlichen Natur, als daß er sich zu einer Dauererscheinung auswachsen könnte*). Man darf hier vor allem nicht übersehen, daß die Haltung der feindlichen Presse uns gegenüber nichts weniger als frei ist, sondern wesentlich auf dem Nachtgebote der jetzt noch am Ruder befindlichen Staatslenker beruht, die darin das wirksamste Mittel zur Aufpeitschung der Ariegsleidenschaft und zur Befestigung ihrer eigenen Stellung sehen. Erst unlängst hat ein englischer Politiker in öffentlicher Versammlung erklären können, daß die wahre Stimmung Englands infolge der Anebelung der englischen Presse außerhalb Englands so gut wie unbekannt sei. wenn daL schon für England gilt, so für Frankreich in noch viel höherem Maße, da hier, im Lande der seit Jahrhunderten zentralisierten Verwaltung, die Zensur noch eine ganz andere Macht ausübt. Die Zeit dürfte aber doch nicht mehr fern sein, wo das von Haß aufgetürmte Lügengebäude in sich selbst zusammenbricht, und gewichtige Anfänge dazu liegen ja bereits vor. Mögen wir auch jetzt noch
*) So urteilt auch Hans Borbein in der eben erschienenen ausgezeichneten Schrift: Auslandsstudien und neusprachlicher Unterricht im Lichte des Weltkrieges, (tzüelle u. Meyer, Leipzig 1918 , S. 80 : „wenn der Haß sich ausgetobt hat, wird mit psychologischer Notwendigkeit eine allgemeine Entspannung des Gefühllebens eintreten, und das Bedürfnis nach Geltung der gewaltsam unterdrückten edleren Triebe muß ganz von selbst dahinführen, daß die durch die Herrschaft der blinden Nasse so lange zum Schweigen gebrachte Minderheit der Verständigen und weitsichtigen wieder zu Worte kommt."
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