Der Vortrupp
?. Iahrg. M8 Nr. ^ Januarheft
Durch die Verfügungen über die Einschränkung des l? " * Papierverbrauches sind wir, wie alle anderen Zeit
schriften, gezwungen, den Umfang z« beschränken. Damit wir den Inhalt nicht wesentlich zu kürzen brauchen, lassen wir den „Vortrupp" jetzt in kleinerem Druck erscheinen.
Schriftleitung und Verlag des „Vortrupp".
Die Geheimurkunden.
Berlin, den 7. Dezember (9(7.
Lenin und Trotzki haben eine Anzahl von Geheimurkunden aus den Archiven der bisherigen russischen Regierung veröffentlicht. Es ist wichtig, sich ein klares Bild darüber zu machen, was diese Geheimurkunden sind und was sie enthalten. Das ist nicht ganz leicht: Denn in unseren Tageszeitungen erscheinen sie vereinzelt, in unregelmäßigen Zwischenräumen und naturgemäß untermischt mit andern Nachrichten, die die Aufmerksamkeit ablenken. Dazu kommt, daß sie in einem schleppenden und unübersichtlichen Stil gehalten sind; wahrscheinlich ist das schon in der Ursprache der Fall, jedenfalls aber tritt es in der deutschen Übersetzung so stark hervor, daß man fast jede Einzelheit mehrmals lesen muß, wenn man sie klar in sich aufnehmen will.
Dieser Aufsatz will eine leichtverständliche Übersicht über die bisher veröffentlichten Geheimurkunden geben.
was die Geheimurkunden sind.
Heute, am 7. Dezember, sind 23 veröffentlicht. Davon ist, als für jetzt völlig bedeutungslos, auszuscheiden ein „Schema zu einem Vertrag mit Deutschland" aus dem Jahre (909, die Arbeit eines unbekannten Urhebers, von der wir nur wissen, daß sie einmal dem Zaren vorgelesen worden ist, daß sie aber den deutschen amtlichen Stellen gänzlich unbekannt geblieben ist. Unter den verbleibenden 22 Geheimurkunden sind: ( Geheimvertrag (der mit Italien), ferner (6 geheime Telegramme, die entweder von dem russischen Minister des Äußeren — also unter dem Zaren von Sasonow (den zeitweise Pokrowski vertrat), unter Rerenski von Tereschtschonko — an diplomatische Vertreter Rußlands im Auslande gesandt worden sind oder umgekehrt; dann 5 geheime diplomatische Berichte, von denen 2 „Information" betitelt sind. Die älteste dieser 22 Geheimurkunden stammt vom 5. März (9(5, die jüngste vom (7. Oktober (9(7. Sie sind also sämtlich während des Weltkrieges entstanden, teils unter der Herrschaft des Zaren, teils unter der Rerenskis.
was die Geheimurkunden enthalten.
Diese bisher bekannten Geheimurkunden enthalten nichts über Vereinbarungen, die etwa zwischen unsern Feinden vor dem Beginne des Weltkrieges
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