Jahrgang 
1916: 1916
Entstehung
Seite
161
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Der Vortrupp

5. Jahrgang Nr. 6 ^6. TNärz W6

Wir Deutsche und das Undeutsche.

Der große Krieg hat uns die Rückkehr zürn Deutschturn gebracht. Der Lrdgeruch unseres deutschen Bodens begrüßt uns wieder, als wenn wir uns endlich wieder nach langer Seefahrt dein Gestade des Vaterlandes sehnsuchtsvoll näherten. Sollen die großen, inne­ren Errungenschaften unseres Ringens uns nicht wieder in ab­flauenden Friedenszeiten verloren gehen, so ist es die ernste Aufgabe der Gegenwart, rnit allen Kräften daran zu arbeiten, einen Darnrn gegen die uns entkräftenden Kulturauswüchse des Auslandes, gegen alle Ausländerei in Sprache, Kleidung, Sitte und Vergnügungen zu errichten. Ist das aber unser Wille und unser Ziel, so müssen wir uns zunächst einmal bewußt werden, wie tief all dieses Undeutsche schon in unser Deutschtum eingedrungen war, und wie wir im besten Zuge waren, unsere alte Volkskultur vom feindlichen Ausland her sorglos verseuchen zu lassen. ^

Kleider machen Leute." Es ist kein'Zufall, wie wir uns kleiden. Das Kleid ist der Ausdruck des inneren Menschen, wie die Tracht die innere Stimmung eines Volksstammes ausdrückt. Der Oberbayer verdankt seine Wadenstrümpfe nicht dem Zufall und die Elsässerin ihre Kopfschleife nicht einer Laune des Geschicks. Aus den Überlieferungen langer Jahrhunderte haben die Lebensauffassung, das Klima, die völkischen Schicksale, der Broterwerb in der äußeren Bekleidung einen organischen Niederschlag gefunden. Ebenso wie diese Volkstracht der Einzelstämme hatte sich im Wandel der Jahrhunderte, je mehr die Städte an Bedeutung gewannen, auch eine Art von allgemeiner, deutscher Bekleidung entwickelt, die unserem Klima, unserem Fleiße des Werktags, unserem schwerblütigen Körperschlag, unserem Gemisch von Wirklichkeitssinn und Sentimentalität entsprach. Als wir dann ein großes Volk geworden waren, als wir unseren Auslandshandel emporschnellen sahen, wie kaum eine Nation es je erlebt hat, da zog der Hauch der großen Welt mit seinem süßlich-faden Beigeschmack des Internationalen bei einem Volke ein, das bis zum Jahre ^870 draußen in der Welt kaum beachtet worden war. Je mächtiger wir wurden, je mehr unser Reichtum wuchs, um so verzweigter wurden die tausend Aste, die uns mit England, Amerika und der ganzen Welt verbanden. Jeder der unzähligen Auslandkommis, jeder Kellner, jeder Farmer