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1916: 1916
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Der Vortrupp

5. Jahrgang Nr. 5 März W6

Von der Notwendigkeit der geschichtlichen Bildung.

Die Geschichte ist keine exakte Wissenschaft. Daraus haben ihre Ver­ächter, deren es gerade in unserer einseitig naturwissenschaftlich gerichteter: Zeit recht viele gibt, den Satz gemacht, sie sei überhaupt keine Wissenschaft, wahr ist es, daß viele, sehr viele Tatsachen der Vergangenheit immer strittig bleiben werden. Aber das schließt nicht aus, daß die Beschäftigung mit der Geschichte von der höchsten Bedeutung, ja schlechterdings unent­behrlich ist. Unverbildeten Köpfen, einfach denkenden Zeitaltern ist denn auch die geschichtliche Wißbegierde von Natur eigen. Instinktiv fühlen sie, daß der Menschheit ohne die Kenntnis der Vergangenheit ein wesent­liches Hilfsmittel fehlen würde, daß wir gerade so ratlos, blind und ver­loren in der Unermeßlichkeit umherirren würden, wie wenn uns plötzlich die Fähigkeit verloren ginge, den Sternenhimmel um uns her wahrzu­nehmen.

Doch mit solchen Gefühlsgründen darf man den grundsätzlichen Ver­ächtern der Geschichte nicht kommen. Ihnen gegenüber sind nur nüchterne Nützlichkeitsgründe angebracht. Glücklicherweise fehlt es auch an diesen nicht, es läßt sich vielmehr zeigen, daß die Geschichte bei weitem das wich­tigste Hilfsmittel der sozialen Betätigung ist, daß eine gedeihliche öffent­liche Wirksamkeit ohne geschichtliche Bildung (die freilich mit bloßem ge­schichtlichem wissen nicht zusammenfällt) kaum denkbar ist.

Man pflegt der Geschichte den Vorwarf zu machen, daß sie außerstande fei, uns Voraussicht zu lehren, daß auch die Geschichtskenner sich immer wieder durch die eintretenden Ereignisse überraschen lassen. Ich will über die Berechtigung dieses Vorwurfs nicht streiten, ich könnte sonst ein­wenden, daß die Geschichtskenner nicht immer gerade die geschichtlich Ge­bildeten sind. Aber auch wenn man der Anklage zustimmt, so bleibt der Geschichte immer noch ein hohes Verdienst: das an der Vergangenheit geschärfte Auge vermag die gegenwärtigen Zustände klarer und richtiger zu beurteilen. Um das Wesen einer Einrichtung zu verstehen, muß man ihre Entstehung, ihre Entwicklung kennen. Solche Fähigkeit erlangt man freilich nicht durch bloß gedächtnismäßiges Aufnehmen, auch nicht durch geistloses Registrieren massenhafter Tatsachen, wie es selbst von namhaften Forschern vielfach geübt wird und am meisten dazu beigetragen hat, die .Geschichte in Verruf zu bringen, wem es um geschichtliche Bildung zu

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