Jahrgang 
1916: 1916
Entstehung
Seite
65
Einzelbild herunterladen
 

Der Vortrupp

5. Jahrgang Nr. 3 h Februar W6

Die zukünftige Jugendpflege.

Duält dich in tiefer Brust Das harte Wort: Du mußt.

So macht dich eins nur still. Dar stolze Wort: Ich will!

Von einsichtigen Freunden der Jugend ist seit Jahrzehnten die Forderung gestellt worden: Schließt die Lücke zwischen Schulentlassung und Militär, laßt die Jugend in der Zwischenzeit nicht ihre eigenen Wege gehen, leitet und führt sie, wie es ihr unentwickelter Körper und Geist verlangt. Erst als sich bedrohliche Erscheinungen politischer Art zeigten, entschloß sich die Staatsregierung zur Einrichtung einer aufFreiwilligkeit" be­ruhenden Jugendpflege.

Unter dem Aufwand von Millionen wurden neue Jugendver­bände gegründet und ältere, bewährte, unterstützt. Der Anfang war verheißungsvoll, der zugrunde liegende Gedanke zweifellos edel und gut. Überall regte sich frisches, blühendes Leben. Bald aber kam der Rückschlag. Die da mit einem Male, weil es die Be­hörden lobten, ihre Freundschaft für die Jugend schlagend entdeckt hatten, ließen nach. Man hatte sich die Sache leichter gedacht, und sie ward nun auf die Dauer außerordentlich schwer und noch dazu unbequem. Die da von den Jugendlichen in hellen Haufen herzn- geströmt kamen, freiwillig natürlich, waren einmal zunächst neugierig. Bald regte sich ihr Widerspruchsgeist. Nur wenige der bestellten Jugendxfleger verstanden die jugendliche Psyche. Da Drohungen ausgeschlossen waren, versuchte man es mit Lockungen aller Art, drückte ein, drückte beide Augen zu, um ja den so glänzend eingeleiteten Jugendverein aufrecht zu erhalten. Vergebene Mühe!

Nur wenigen Vereinigungen mit Leitern von hervorragendem Eifer und tiefer pädagogischer Bildung gelang es, ihren Bestand an Jugendlichen aufrecht zu erhalten.

Die amtliche Jugendpflege mußte am Prinzip derFreiwillig­keit" scheitern oder eine halbe Maßregel bleiben, das war denen klar, die erkannt hatten, daß man ohne einen gewissen Zwang, ohne eine P>flichtauferlegung, mit den Halbwüchsigen nicht auskommt. Die Gründe liegen zumeist in der körperlichen Entwicklung, die von