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1916: 1916
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s. Jahrgang Nr. r. Dev V-vtVNPP 1. April 1916

Herausgeg. von vr. Hermann M. Popert, Hamburg, und Rapitäuleutnant a.v.

HansPaasche,BerIm.-verantwortl.Schrlftleiter:vi-.pIiiI.R.Kraut,Hamburg z.

Vortrupp-Tugend

Monatliche Beilage zum ,,Vortrupp", unter Verantwortung derVortrupp"-Schriftleitung, herausgegeben von

Nr. 4. Hans Vaasche

1916

Inhalt. Lr ging an meiner Seite von wal- ther Ringe. Zur militärischen Vor­bereitung der Jugend. wollen und wirken (Das Wandervogelnest imbans in der Sonne". Betrachtung in der Wehrloge.)

Lr ging an meiner Leite.

wir waren alte Landwehrleute, zusammengestellt zu einer Kom­pagnie, aber wir waren zu we­nig. Darum sollten wir aufgefüllt werden durch eine Anzahl junger Kriegsfreiwilliger. Und es geschah auch so, obgleich es den allermeisten nicht recht gefiel.

Die Kriegsfreiwilligen wurden unter die einzelnen Korxoralschaften verteilt, auch wir erhielten einige. Und einer ging an meiner Seite.

Er hatte eben erst seine Kriegs­reifeprüfung bestanden, und war dann als Kriegsfreiwilliger kaum 1(8 Jahre alt eingetreten. Nun kam er zu uns. Wir hatten ihn alle gern wegen seines stillen beschei­denen Wesens. Aber schon nach wenigen Tagen hatte er in unserer Korxoralschaft seinen Namen, es war:unser Kind". Denn er war der bei weitem jüngste unter uns, viele von uns waren doppelt so alt als er. Er hätte wirklich deren Kind sein können. Auch sein ganzes Aus­

sehen hatte etwas Kindliches, etwas Mädchenhaftes. Ein feingeschnit­tenes Gesicht mit edelgeformter ge­bogener Nase, mit kleinem Mund und scharf gezeichneten Purpur- lippen, eine feine, weiße Haut und .selten schön rot gefärbte Wangen. Ein Antlitz wie Milch und Blut. Dazu seelenvolle lebhafte Blau­augen. Das Ganze ein wunder­volles Mädchengesicht. Als Mäd­chen wär's gewiß eine Schönheit ge­wesen.

SowarunserKind"unserSchütz-

ling.

Er wurde rot, wenn wir ihn so nannten, rot wie ein Mädchen, das sich schämt; und ein feines Lächeln umspielte seine Lippen. Denn er wollte kein Kind mehr sein. Und daß er kein Kind mehr war, das hat er auch bewiesen.

Inunserem Kind" stak Tradi­tion. Denn der junge Kriegsfrei­willige stammte aus einer Offiziers­familie. Diese Tradition wurde ihm zur Verpflichtung. Sie gab ihm Kraft und eisernen willen. Das war sofort beim einfachen Kommiß­dienst zu beobachten, wie die im ganzen doch schwächliche Gestalt sich zusammenriß! wie in jeder, auch der kleinsten Übung, zum Ausdruck