Der Vortrupp
5. Jahrgang Nr. 23 Dezember W6
Der Hohn der Dpfer.
In der Rede, die Deutschlands Kanzler am 9. November 1916 im Hauptausschuß des Reichstages gehalten hat, stehen auch diese Worte:
„Lord Grep hat sich endlich ausführlich mit der Zeit nach dem Kriege, mit der Gründung eines internationalen Bundes zur Wahrung des Friedens beschäftigt. Auch dazu will ich einige Worte sagen, wir haben niemals ein Hehl aus unsern Zweifeln gemacht, ob der Friede durch internationale Organisationen, wie Schiedsgerichte dauerhaft gesichert werden könne. Die theoretische Notwendigkeit des Programms will ich nicht erörtern. Aber praktisch werden wir jetzt und im Frieden zu der Frage Stellung nehmen müssen, wenn bei und nach der Beendigung des Krieges seine entsetzlichen Verwüstungen an Gut und Blut der Welt erst zum vollen Bewußtsein kommen werden, dann wird durch die ganze Menschheit ein Schrei nach Abmachung und Verständigung gehen, um, soweit es irgend in Menschenmacht liegt, die Wiederkehr einer so ungeheuerlichen Katastrophe zu verhüten. Dieser Schrei wird so stark und so berechtigt sein, daß er zu einem Ergebnis führen muß. Deutschland wird jeden Versuch, eine praktische Lösung zu finden, ehrlich mitprüfen und an seiner möglichen Verwirklichung mitarbeiten ... Deutschland ist jederzeit bereit, einem Völkerbünde beizutreten, ja, sich an die Spitze eines Völkerbundes zu stellen, der Friedensstörer im Zaume hält."
wobei, um ein Mißverständnis zu brechen, das die Worte „sich an die Spitze eines Völkerbundes stellen" in einem der gegnerischen Länder teilweise gesunden haben, Dies hervorzuheben ist: Diese Worte bedeuten natürlich nur, „bei der Gründung eines solchen Bundes am kräftigsten und entschiedensten mitarbeiten".
Die Deutschen, denen diese Erklärung des Reichskanzlers einen Alp von der Brust genommen hat, zählen, meiner Überzeugung nach, nicht nur nach Millionen, sondern nach Zehnen von Millionen.
Oft hören wir heute in Deutschland das Wort „Die Opser dürfen nicht vergebens gebracht sein". Das Wort hat recht.
was dars denn nun aber ein Deutscher, der kein Phantast und kein Träumer ist, als Lohn der Opfer erwarten, wenn er „Lohn" in dem Sinne nimmt, wie er in solchen Dingen hergebracht ist?
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