Jahrgang 
1916: 1916
Entstehung
Seite
673
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Der Vortrupp

5. Jahrgang Nr. 22 ^6. November W6

Die Vernunft und ihre zwei Bundesgenossen.

Die Vernunft in unserm Lande hat sich darauf besonnen, daß auch sie eine Macht ist, und daß sie es gar nicht nötig hat, sich wehrlos mit Füßen treten zu lassen. Nicht nur im Reichstage hat sie sich als so mächtig erwiesen, daß die führende Zeitschrift der Kanzlersronde den N« Oktober den Tag, wo im Reichstage über die auswärtige Po­litik Verhandelt wurde ganz ausdrücklich denäies aler" und den Tag der Enttäuschung" nennt. Nein, mehr noch, auch im übrigen öffentlichen Leben Deutschlands fällt Schlag aus Schlag gegen die, die ich in meinem vorletzten Aussatze hier dieDrahtzieher" genannt habe.

Beginnen will ich mit dem, was in Sachsen geschieht. Dieses Land hatte bisher einen besonders geeigneten Nährboden abgegeben für die Krankheit, die ich in jenem Aussatze beschrieben habe: Ich darf daran erinnern, wie vor einigen Monaten dieLeipziger Neuesten Nachrichten", das Blatt des verstorbenen Herrn Liman, einen Aussatz brachte, der in Titel und Inhalt (buchstäblich) dieFurcht vor dem Frieden" predigte. Ich darf da weiter Herrn Professor Brandenburg nennen, dessen Tummelplatz ja ebenfalls Leipzig ist, und ich darf end­lich und vor allem aus den Gipfelpunkt zeigen, den diese sächsischen Dinge in der berühmtenPetition an den sächsischen Landtag" erreicht haben: Diese Petition war ja unterzeichnet von dem Generalsekretär des konservativen Landesvereins und ebenso von dem vielgenannten konservativen Reichstagskandidaten des Wahlkreises Borna-Oschatz- wurzen, Herrn Dr. Wildgrube. Sie forderte aber nicht mehr als bloß dies:

Die hohen Ltändekammern wollen eine gemeinsame Deputation berufen, und die Herren Minister des Innern und des Äußeren er­suchen, vor dieser Deputation die Gründe zu entwickeln, aus denen heraus die sächsische Staatsregierung der Politik des Herrn Reichs­kanzlers zustimmt... Die hohen Ständekammern wollen ferner der Staatsregierung erklären, daß sie die bisherige auswärtige Politik des Reichskanzlers als den Interessen des Reiches schädlich erachten..."

Diese Leistung hat denn aber auch dem Fasse den Boden ausgestoßen, die Gegenschläge in Sachsen begannen: