Der Vortrupp
5. Jahrgang
Nr. 2^
November
Das Aanzlerwort über Belgien.
Die Schriftleitung des „Vortrupp" hat mir einen Brief übersandt, der ihr zugegangen ist. Dieser Brief bezieht sich auf den Schluß meines Aufsatzes vom 16. September. Dort habe ich gesagt:
„Die mögen ja wohl recht haben, die da behaupten, es sei ein politischer Fehler gewesen, als Bethmann Hollweg in den ersten Tagen des Krieges im offenen Reichstage jene Erklärung in der belgischen Sache abgab: nämlich unser Durchmarsch durch Belgien sei zwar eine Handlung des Notstands und darum, wie jede Notstandshandlung, entschuldigt; aber an sich sei sie selbstverständlich ein Unrecht, für das wir seinerzeit Schadenersatz leisten wurden, wie gesagt, ein diplomatischer Fehler mag es gewesen sein, das zu sagen, zumal sich ja nachträglich Umstände ergeben haben, angesichts deren man selbst das kaum mehr sagen kann, daß jener Durchmarsch auch nur an sich ein Unrecht gewesen wäre. Aber dennoch, ich habe die stolze Freude, mit der ich — offen gesagt — damals jenen Ausspruch in den Zeitungen gelesen habe, auch heute noch nicht verloren. Daß doch überhaupt einmal in politischen Dingen und auch in schwerster Stunde jemand es wagte, schlicht und einfach die Wahrheit zu sagen, so wie er sie im Herzen fühlte. Und daß der, der das wagte, ein Deutscher, und daß es der deutsche Reichskanzler war. Trotzdem und alledem: an jenem Tage hat im Betriebe der Politik eine bessere Zeit angefangen."
Der Brief aber lautet:
Hamburg, den 2H. September 1916 .
Sehr geehrte Redaktion!
Ls wird ihnen mit Bezug auf Ihren „Fidelis"-Aufsatz in Nr. 18 Ihrer geschätzten Zeitschrift vom 16. September 1916 und die darin enthaltenen Ausführungen über Politik und Ethik von Wert sein, zu erfahren, daß mir im September 191H, wo ich vielfache Gelegenheit hatte, in Schweden mit führenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu sprechen, das Folgende begegnete:
Bekanntlich gibt es auch in Schweden weite Kreise, die den deutschen Durchmarsch durch Belgien heftig mißbilligen, weil sie nicht verstehen, daß er noterzwungen war. Aus diesen Kreisen — und sie sind sehr einflußreich — habe ich wiederholt (eben von führenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens) Äußerungen gehört, wie diese: wenn eins geeignet sei, diesen Schritt Deutschlands in anderm Lichte erscheinen zu lassen, so sei es das bewundernswerte, offene Wort, das darüber der deutsche Reichskanzler im Reichstag gesprochen habe;