Jahrgang 
1916: 1916
Entstehung
Seite
577
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Der Vortrupp

5. Jahrgang Nr. V h Oktober

Harnack.

Die Schriftleitung desVortrupp" hat mir, damit wir möglichst enge Höhlung gewinnen, seine wichtigsten programmatischen Aussätze übersandt. Einer davon regt mich dazu an, ein Geschehnis unsrer Tage zu besprechen. Dieses Geschehnis wird zwar, wenn dieser Aussatz im Druck erscheint, schon etwa sieben Wochen zurückliegen; aber auch ich billige durchaus das, was der AussatzAktualität" in der ersten Sep­tembernummer dieses Jahres ausgeführt hat: wirklich, auch in dieser Zeit soll eine Zeitschrift sich nicht aus den ihr wesensfremden Versuch einlassen, mit der Tagespresse um die wette zu lausen. Vielmehr sollen die Zeitschriften gerade in dieser Zeit ihr Vorrecht, Dau­erndes zu wirken, besonders eifersüchtig wahren, und daher als des Behandelns wert nur das erachten,was sechs Atonale, nachdem es geschehen ist, noch wert ist, behandelt zu werden". Nun, das, wovon ich heute sprechen will, wird auch nach sechs Jahren noch des Be­handelns wert sein.

Es liegt der folgende Tatbestand vor:

Am August dieses Jahres veranstaltete derDeutsche National- ausschuß" etwa vierzig Versammlungen in allen Teilen Deutschlands; es waren Gedenkfeiern, die Redner behandelten überall das Thema: An der Schwelle des dritten Rriegsjahres". In einer dieser Ver­sammlungen, in Berlin, sprach Adolf Harnack, der Ehrenpräsident des evangelisch-sozialen Kongresses. In seiner einstündigen Rede, die sich im übrigen mit der Kriegslage und den Kriegszielen befaßte, kamen auch die folgenden kurzen Sätze vor:

Was haben wir vor dem Kriege besessen? Line internationale Privatwirtschaft und neben ihr aus einigen Gebieten eine gut ar­beitende fiskalische und militärische Staatswirtschast. Was haben wir im Kriege erlebt? Die fiskalische und militärische Staatswirtschaft erweiterte sich und arbeitete in umfassender Weise, geleitet von ge­nialen Männern, bald ausgezeichnet. Aber dagegen die internationale Privatwirtschaft brach zusammen, die ausländische Konkurrenz fiel fort, und eine unbekümmerte, lediglich auf Prosit gestimmte heimische Privatwirtschaft trat in weiten Kreisen an ihre Stelle. Wucherei und