Der Vortrupp
5. Jahrgang Nr. ^6 ^6. August W6
Koalitionskriege.
In seinem bekannten Aufsatz über Friedrich den Großen wirft Macaulay die Frage auf, wie es möglich war, daß der preußische König der furchtbaren Koalition von ^756 widerstand. Ein weniger furchtbarer Bund hatte in einer Woche alle Provinzen Venedigs erobert, als dieses auf der Höhe seiner Macht stand. Auch die Koalitionen, die Ludwig XIV. demütigten und Napoleon stürzten, waren, wenigstens nach Macaula^s Urteil, weniger mächtig.
Die landläufige Meinung ist schnell fertig mit ihrer Erklärung: Friedrichs überlegener Geist war es, der ihn rettete. Aber so hoch man seine Feldherrnkunst auch anschlagen mag, so fällt sie doch nicht schwer genug in die wage. Denn gewiß stand Napoleon nicht minder hoch über Schwarzenberg, Blücher, Bernadotte und wittgenstein als Friedrich über Dann und Laudon. Der offenbarste Beweis aber dafür, daß Friedrichs Überlegenheit als Feldherr nicht das Ausschlaggebende war, liegt darin, daß die Preußen grade unter seiner Führung wiederholt auch schwere Niederlagen erlitten, was Napoleon vor Leipzig niemals geschah. Die Ursache, warum Friedrich gerettet wurde und Napoleon unterlag, muß also tiefer liegen, sie kann in bloß persönlichen Eigenschaften nicht gefunden werden.
In Wahrheit ist Friedrich, so paradox das klingt, dem verderben entgangen durch die Schwäche seiner Gegner. Es ist wahr, er hatte drei Großmächte sich gegenüber, Österreich, Frankreich und Nußland, abgesehen von kleineren Gegnern, und er selbst hatte nur einen einzigen namhaften verbündeten, England, das ihn nach seiner Gewohnheit ziemlich lau, hauptsächlich mit Geld unterstützte und ihn, als feine Bedrängnis aufs höchste gestiegen war, im Stich ließ. Aber das Bündnis dreier Mächte verleiht mitnichten eine dreifache Macht. Hier gilt eine besondere Arithmetik, hier heißt es nicht: 3 mal 2 macht 6, sondern 3 mal 2 macht nur 5 oder gar nur H, je nach Umständen.
Das Wesentliche war, daß Friedrich jedem einzelnen seiner Gegner überlegen war. Das hat Maeaulay nicht erkannt oder doch nicht genügend betont. Er hebt hervor, daß Friedrich nur 5 Millionen Untertanen gehabt habe, die Volkszahl der ihm entgegenstehenden Mächte veranschlagt er, wohl etwas zu hoch, auf ^oo Millionen. Aber in der Zeit der Söldnerheere
1