Der Vortrupp
5. Jahrgang Nr. ^5 August W6
Die Kriegshochschule.
Es gilt, dem Krieg eine Waffe zu nehmen, mit der er das geistige Leben unseres Volkes verwundet. Es gilt, die Lücke auszufüllen, die die Kriegsjahre in die wissenschaftliche Fortentwicklung der deutschen im Heeresdienst stehenden Jugend reißen. Es gilt, dem deutschen Soldaten den Besitz der geistigen Güter zu sichern, die er sich in ernster Friedensarbeit erworben hat, und die ihm durch die lange Dauer des Krieges zum Teil verloren zu gehen drohen, wir wollen der Kriegszeit den Fluch des geistigen Todes nehmen, der ihr für viele Deutsche in gewissem Grade innewohnt.
Es muß eine Kriegshochschule gegründet werden, eine Anstalt, die in kurzfristigen Vorlesungen und Übungen aller Wissensgebiete unseren Feldgrauen geistige Nahrung zuführt, eine Einrichtung, die dem deutschen Akademiker, dem höheren Schüler, dem Kunstschüler, dem Kaufmann im Heere es ermöglicht, seinen Wissensschatz zu erhalten und zu bereichern, anstatt daß er ihn langsam verloren gehen sehen muß. Die Kriegshochschule wird überall da ihre Stätte aufzuschlagen haben, wo deutsche Truppen in größeren Massen versammelt sind.
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß das Bedürfnis nach einer solchen Einrichtung außerordentlich groß geworden ist. Fast die gesamte Studentenschaft steht unter Waffen und entbehrt zum größten Teil seit fast zwei Jahren die gewohnte wissenschaftliche Belehrung. Der höhere Schüler sieht die Möglichkeit schwinden, ein gutes Abiturium zu bestehen, wenn er nicht außer den Kriegs- jahren noch lange Monate daran setzen will, um die verloren gegangenen Kenntnisse zurückzuerwerben. Der Kaufmann würde eine Gelegenheit, seine Sprachkenntnisse weiterzupflegen, mit großer Freude begrüßen.
Man kann hier nicht dagegen halten, daß es jedem überlassen bleibe, für seine p>erson sich wissenschaftlich zu beschäftigen und aus Büchern Belehrung zu schöpfen. Es ist nicht jedem die Energie gegeben, sich abzusondern, sich hinzusetzen und zu arbeiten. Diese grübelnde Alleinarbeit aus Lehrbüchern kann auch nie die wohltuende belehrende Kraft des Vortrages einer geistigen Größe ersetzen. Auch steht kaum einem deutschen Soldaten, soweit er nicht
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