Jahrgang 
1916: 1916
Entstehung
Seite
417
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Der Vortrupp

5. Jahrgang Nr. ^ ^6. Juli W6

Lehrgänge für Kriegsgefangene.

viele von uns haben sich bei Beginn und im Laufe dieses Krieges gewundert, daß Deutschland und deutsches Wesen so ungemein un­beliebt sind. Sie wundern sich noch, daß die Kartei der Kriegshetzer in Frankreich immer noch Geschäfte machen kann mit dem Märchen vom deutschen Barbarentum, ja daß manche sonst ganz verständige Leute in England ernsthaft glauben, der Kampf gegen deutsches Wesen (oder wie sie es jetzt nennenpreußisches" Wesen) sei ein Kämpf für die Freiheit.

)n der Tat kann man diese seltsame Falschwertung deutscher Dinge bei unseren Feinden nicht schon damit erklären, daß jedes kriegführende Volk unvermeidlich das feindliche Volk, deren Eigen­schaften und deren Beweggründe, schwärzer sieht, als sie sind. Man kann das um so weniger, als recht viele Neutrale uns ähn­lich beurteilen.

Die Erklärung liegt vielmehr unter Anderem darin, daß deut­sches Wesen und deutsche Vorzüge im Auslande verhältnismäßig unbekannt sind. (woran das wiederum liegt, sei hier nicht unter­sucht ; jedenfalls ist es so.) wo man das deutsche Volk jetzt gründ­lich kennen gelernt hat, zum Beispiel in den besetzten Gebieten Frankreichs, hält uns niemand mehr für Barbaren, auch kann man niemandem mehr mit Erfolg vorreden, daß wir das seien.

Für die kommende Friedenszeit wäre es daher von Vorteil, wenn die Kenntnis deutschen Wesens mehr ausgebreitet werden könnte. Denn die Propheten, die den Völkerhaß bereits als den Herrscher des ganzen Jahrhunderts sahen, haben Gott sei Dank schon abgewirtschaftet. Mögen solche Propheten in den romanischen Ländern heute noch einigen Zulauf haben, den die dortigen, am Kriege interessierten Machthaber von heute zu vermehren suchen so lange wie es geht in Deutschland (und wir glauben auch durchweg in England) weiß heute doch wieder jeder Vernünftige, daß Völkerhaß eine Geisteskrankheit ist und daß für jedes Volk

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